DJ-Glossar · Software & Dateien
Track-Analyse (DJ-Software)
Auch: Track-Analyse, Trackanalyse, BPM-Analyse, Key-Analyse, Tonart-Analyse, Analyse
Bei der Track-Analyse ermittelt die DJ-Software BPM, Beatgrid, Tonart, Wellenform und Lautheit – die Grundlage für Sync, Loops und Harmonic Mixing.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Die Track-Analyse ist der Arbeitsschritt, in dem deine DJ-Software jeden Track „durchhört“ und daraus Daten berechnet: Tempo (BPM), Beatgrid, Tonart, Wellenform und meist auch einen Lautheitswert für die automatische Pegelanpassung. Diese Daten speichert sie in der Bibliothek, nicht in der Musik selbst.
Ohne Analyse funktionieren viele Funktionen gar nicht oder nur eingeschränkt: Sync braucht das Grid, die Tonartanzeige braucht die Key-Erkennung, Auto Gain braucht den Lautheitswert.
Was die Analyse ermittelt
| Ergebnis | Wofür du es brauchst |
|---|---|
| BPM | Sortieren nach Tempo, Pitch-Berechnung, Sync |
| Beatgrid | Sync, Quantize, Loops, Beat Jump, Beat-FX |
| Tonart | Harmonic Mixing, Anzeige meist als Camelot- oder Open-Key-Wert |
| Wellenform | Übersicht und Detailansicht auf den Decks |
| Lautheit | automatische Gain-Anpassung (Normalisierung) |
| Struktur (je nach Programm) | Phrasen- oder Abschnittserkennung, automatisch gesetzte Cues |
Manche Programme erkennen zusätzlich Gesangspassagen oder bereiten Stems vor. Welche Ergebnisse dein Programm liefert, siehst du im DJ-Software-Vergleich.
Wann die Analyse läuft
- Beim Import: Die meisten Programme analysieren neue Tracks automatisch oder bieten es an.
- Im Hintergrund: Große Sammlungen laufen nach und nach durch, während du weiterarbeitest. Das kostet Rechenleistung – nicht während eines Gigs starten.
- Beim Laden aufs Deck: Nicht analysierte Tracks werden teils beim Laden analysiert. Bis dahin fehlen Grid und Wellenform.
- Auf dem Gerät: Einige Player und Standalone-Systeme können nicht analysierte Tracks selbst analysieren. Verlässlicher ist es, zu Hause vollständig analysiert zu exportieren.
Wie genau ist die Analyse?
Für elektronische Musik mit durchgehender Kick und festem Tempo sind BPM und Grid meist sehr zuverlässig. Schwieriger wird es bei:
- Halbem oder doppeltem Tempo – Drum & Bass, Dubstep, Trap und Hip-Hop werden gern auf 87 statt 174 oder 180 statt 90 BPM eingeordnet.
- Live gespielter Musik mit schwankendem Tempo.
- Intros ohne Kick und Tracks mit Taktwechseln.
- Tonarten: Die Key-Erkennung ist eine Schätzung. Verschiedene Programme kommen beim selben Track nicht selten zu unterschiedlichen Ergebnissen, vor allem bei Tracks mit wenig harmonischem Inhalt, mit Modulationen oder bei Verwechslung von Dur und parallelem Moll.
Viele Programme lassen dich einen erwarteten BPM-Bereich einstellen. Ein Bereich passend zu deinen Genres verhindert viele Halb-und-doppelt-Fehler.
Analyse prüfen: kurzer Ablauf
- BPM plausibel? Passt die Zahl zum Genre? Im Zweifel mit dem BPM-Tapper mitklopfen.
- Grid sitzt? Erste Kick auf der ersten Linie, am Ende des Tracks immer noch.
- Tonart plausibel? Bei wichtigen Tracks mit dem Gehör oder einem zweiten Werkzeug gegenprüfen, etwa unserer Track-Analyse direkt im Browser.
- Korrekturen sperren, damit eine erneute Analyse sie nicht überschreibt.
Shop-Angaben oder eigene Analyse?
Viele Shops liefern BPM und Tonart mit. Das ist ein guter Anhaltspunkt, aber auch diese Werte stammen aus einer Analyse – nur aus einer anderen. Für Sync, Grid und Wellenform brauchst du ohnehin die Analyse deines Programms. Wenn Shop und Software bei der Tonart nicht übereinstimmen, entscheidet dein Ohr. Mehr zur Notation der Tonarten findest du unter Tonart und Camelot Wheel.
Analyse-Einstellungen, die sich lohnen
- BPM-Bereich: passend zu deinen Genres eingrenzen, zum Beispiel für House und Techno anders als für Drum & Bass.
- Tonart-Notation: klassisch, Camelot oder Open Key – entscheide dich für eine Schreibweise und bleib dabei.
- Festes oder dynamisches Grid: Für elektronische Musik fest, für live eingespielte Tracks, sofern angeboten, dynamisch.
- Ergebnisse in die Datei schreiben: Wenn du mehrere Programme nutzt, kann es helfen, BPM und Tonart in die Tags zu schreiben.
- Große Sammlungen über Nacht analysieren, nicht kurz vor dem Gig.
Typische Fehler
- Nie prüfen: Ein Fehler im Grid fällt sonst erst im Club auf.
- Analyse kurz vor dem Gig starten: Der Rechner ist ausgelastet, und Ergebnisse fehlen beim Export.
- Tonart als Gesetz sehen: Die Anzeige ist ein Vorschlag, kein Beweis.
- Neu analysieren und Korrekturen verlieren: Gesperrte Grids und manuell gesetzte Werte bleiben nur erhalten, wenn du sie schützt.
Wie die Analyse in den Aufbau deiner Bibliothek passt, beschreibt das Kapitel Musikbibliothek organisieren.
Häufige Fragen zu Track-Analyse (DJ-Software)
Was macht die Track-Analyse in der DJ-Software?
Die Analyse berechnet für jeden Track Tempo, Beatgrid, Tonart, Wellenform und meist einen Lautheitswert. Diese Daten speichert die Software in ihrer Bibliothek. Sync, Loops, Quantize, Tonartanzeige und automatische Pegelanpassung bauen darauf auf.
Warum zeigt meine Software das halbe oder doppelte Tempo an?
Die Analyse erkennt bei manchen Genres eher jeden zweiten Schlag oder zählt Zwischenschläge mit. Typisch sind Drum and Bass, Dubstep und Hip-Hop. Korrigiere den Wert mit der Funktion zum Halbieren oder Verdoppeln und stelle in den Analyse-Einstellungen, falls vorhanden, einen passenden BPM-Bereich ein.
Wie zuverlässig ist die Tonart-Erkennung?
Bei klar tonaler Musik meist gut, aber nicht unfehlbar. Verschiedene Programme kommen beim selben Track nicht selten zu unterschiedlichen Ergebnissen, häufig sind Verwechslungen zwischen Dur und dem parallelen Moll. Bei wichtigen Übergängen gilt: Die Anzeige ist ein Vorschlag, das Ohr entscheidet.
Muss ich meine Tracks vor dem Export auf den USB-Stick analysieren?
Ja. Beim Export werden Beatgrid, Wellenform, Tonart und Cue-Punkte mitgeschrieben. Fehlen sie, müssen die Player die Tracks selbst analysieren, falls sie das können, oder du spielst ohne Grid und Wellenform. Analysiere deshalb zu Hause vollständig und prüfe die Ergebnisse vor dem Export.