Schritt 10 von 14
Üb, nimm auf und hol dir Feedback
Regelmäßig üben, Mixe aufnehmen, anhören und verbessern.
Zwischen „Ich kann ein paar Übergänge“ und „Ich kann ein Set tragen“ liegt vor allem eines: Wiederholung mit Rückmeldung. Wer nur drauflosmixt, übt auch seine Fehler mit. Wer aufnimmt, ehrlich anhört und gezielt nachbessert, macht in wenigen Wochen hörbare Fortschritte.
Die Aufnahme ist dabei dein wichtigstes Werkzeug. Beim Auflegen bist du mit Jogwheels, Pegeln und dem nächsten Track beschäftigt – beim Anhören am nächsten Tag hörst du plötzlich, was das Publikum hören würde. Und ganz nebenbei entsteht so der Demo-Mix, den du für deine ersten Gigs brauchst.
Üben mit Plan statt Rumspielen
Eine Stunde mit Ziel bringt mehr als drei Stunden Durchhören deiner Lieblingstracks. Teil deine Übungszeit deshalb in zwei Arten von Sessions:
- Technik-Sessions: Du nimmst dir eine Sache vor und wiederholst sie. Zum Beispiel zehnmal denselben Übergang auf den Phrasenanfang, einmal ohne Sync nur nach Gehör, oder den Bass-Tausch mit dem EQ, bis er sitzt. Die Grundlagen dazu findest du im Kapitel Grundtechniken lernen und im Ratgeber EQ-Übergänge: Bass tauschen.
- Set-Sessions: Du spielst ein komplettes Set am Stück, als wärst du im Club. Kein Zurückspulen, kein Neustart nach einem Patzer. Genau das musst du live auch können: Fehler auffangen und weitermachen.
Halte die Lautstärke beim Üben moderat. Viele Stunden summieren sich, und dein Gehör brauchst du noch lange. Warum das wichtig ist, erklärt der Ratgeber Gehörschutz für DJs.
Deinen Mix sauber aufnehmen
Die meisten DJ-Programme haben eine eingebaute Aufnahmefunktion, die das Mastersignal mitschneidet. Je nach Software und Plan kann sie an ein Abo oder an angeschlossene Hardware gebunden sein – prüf das vor dem ersten Versuch. Arbeitest du mit Mixer und Playern, nimmst du am Rec-Out des Mixers ab oder über dessen USB-Soundkarte, falls vorhanden.
Drei Regeln entscheiden über die Qualität:
- Nie ins Rot. Eine übersteuerte Aufnahme lässt sich nicht reparieren, eine etwas zu leise problemlos anheben. Bring die Kanäle über das Gain auf ähnliche Lautstärke und lass am Master Reserve.
- Verlustfrei aufnehmen, etwa als WAV. Eine kleinere Datei für den Upload exportierst du erst am Ende.
- Testaufnahme machen: eine Minute deines lautesten Tracks aufnehmen und die Pegel in der Datei kontrollieren, bevor du ein ganzes Set mitschneidest.
Für den Anfang reicht ein Rhythmus von einem kompletten Mix pro Woche. Das ist genug, um Fortschritte zu hören, und wenig genug, dass du jede Aufnahme auch wirklich anhörst. Alles Weitere zu Anschlüssen, Pegeln und Mastering-Basics steht im Ratgeber DJ-Mixe aufnehmen und veröffentlichen.
Die Aufnahme richtig anhören
Hör den Mix nicht direkt nach dem Auflegen an, sondern am nächsten Tag mit frischen Ohren. Am besten einmal auf Kopfhörern und einmal auf Boxen oder im Auto – auf jedem System fallen andere Dinge auf. Halte dir einen Zettel bereit und notiere Zeitmarken.
Worauf du achten solltest:
| Bereich | Typische Fehler | Woran du es hörst |
|---|---|---|
| Timing | Beats laufen auseinander | „Galoppieren“, doppelte Kicks im Übergang |
| Phrasing | Wechsel mitten in der Phrase | Breakdown oder Drop kommt an der falschen Stelle |
| Frequenzen | zwei Bässe gleichzeitig voll | Übergang wird matschig und dröhnt |
| Pegel | Lautstärkesprünge | ein Track deutlich lauter als der vorige |
| Dramaturgie | Energie zu früh oben | zweite Hälfte wirkt flach und eintönig |
| Effekte | zu viel, zu lange | Filter oder Echo nerven statt zu wirken |
Zähl ehrlich, wie viele Übergänge du so stehen lassen würdest. Daraus ergibt sich, was du in der nächsten Technik-Session übst. Nach ein paar Wochen siehst du in deinen Notizen ein Muster – meist sind es zwei, drei wiederkehrende Fehler, an denen du gezielt arbeiten kannst.
Feedback holen, das dich weiterbringt
Eigene Ohren werden mit der Zeit betriebsblind. Hol dir deshalb Rückmeldung von außen, aber von den richtigen Leuten:
- Andere DJs hören Technik und Track-Auswahl. Tausch Mixe mit Leuten, die ungefähr auf deinem Stand sind, und gebt euch gegenseitig konkretes Feedback.
- Freunde ohne DJ-Erfahrung hören wie ein Publikum. Frag sie nicht „Wie fandest du's?“, sondern: „Wann hast du abgeschaltet? Welche Stelle ist hängen geblieben?“
- Lehrer:innen sehen, was in einer Aufnahme nicht zu hören ist, etwa Haltung, Blick und Arbeitsweise am Gerät. Unterricht vor Ort findest du über die DJ-Schulen, strukturierte Lernwege in den DJ-Online-Kursen.
Gute Fragen machen gutes Feedback. „Ist die Energiekurve nachvollziehbar?“ oder „Hört man den Übergang bei Minute 23?“ bringen mehr als die Bitte um ein allgemeines Urteil. Und: Nicht jede Meinung musst du umsetzen. Wenn drei Leute unabhängig voneinander dasselbe sagen, lohnt es sich aber, genau hinzuhören.
Vom Übungsmix zum Demo-Mix
Irgendwann ist eine Aufnahme dabei, die du ohne schlechtes Gewissen verschicken würdest. Das ist dein erster Demo-Mix – die Arbeitsprobe für Veranstalter. Ein paar Punkte unterscheiden ihn vom Übungsmix:
- Passend zum Ziel-Slot: Willst du ins Warm-up, zeig Aufbau und Zurückhaltung, kein Peak-Time-Feuerwerk. Bewährt haben sich 30 bis 60 Minuten.
- Starke erste Minuten: Viele Veranstalter hören nur kurz an verschiedenen Stellen rein. Ein langes, ereignisloses Intro kostet dich Aufmerksamkeit.
- Technisch sauber: Lieber zweimal aufnehmen als einen hörbaren Patzer in den ersten Übergängen stehen lassen. Für Demo-Mixe darfst du die Reihenfolge komplett durchplanen.
- Mit Tracklist: Den Verlauf (History) deiner Software exportieren, Künstler und Titel sauber übernehmen.
Plane mittelfristig einen Mix pro Slot-Typ ein, den du anbieten willst, zum Beispiel einen für die Bar und einen für einen Club-Abend. Wofür du den Mix dann einsetzt, steht im Ratgeber Den ersten DJ-Gig bekommen.
Mixe veröffentlichen: das Wichtigste
Ein DJ-Mix besteht aus Musik anderer Leute – deshalb ist die Plattform-Wahl auch eine Lizenzfrage. Mixcloud ist speziell für DJ-Mixe gebaut und verweist auf Lizenzvereinbarungen mit Labels und Verwertungsgesellschaften. Im Gegenzug gelten Upload-Regeln, etwa zur Zahl der Tracks pro Künstler. Auf SoundCloud und YouTube werden Uploads automatisch auf geschützte Musik geprüft, Mixe können dort gesperrt werden.
Der Kauf eines Tracks erlaubt dir in der Regel nicht, ihn öffentlich im Netz zugänglich zu machen. Lies vor dem Upload die aktuellen Regeln der Plattform; bei konkreten Rechtsfragen hilft nur eine fachkundige Beratung. Die Details zu allen drei Plattformen stehen im bereits erwähnten Ratgeber zum Aufnehmen und Veröffentlichen.
Beim Upload zählen dieselben Dinge wie beim Demo-Mix: ein klarer Titel mit Genre und Anlass, eine vollständige Tracklist und ein eigenes Cover ohne fremde Logos. Bewahre außerdem die verlustfreie Master-Datei auf – Plattformen kommen und gehen, dein Archiv bleibt.
Wenn du einen Mix hast, hinter dem du stehst, ist es Zeit für den nächsten Schritt: raus aus dem Übungsraum. Wie du mit Social Media, SoundCloud und einer einfachen Website sichtbar wirst, zeigt das Kapitel Mach dich online sichtbar.
Am Ende dieses Schritts
- Ersten kompletten Mix aufgenommen
- Feedback von anderen eingeholt
- Bester Mix als Demo bereit (30–60 Minuten)