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Alle Schritte und Abschnitte

Schritt 12 von 13

Vernetz dich und spiel erste Gigs

Open Decks, Bars, Freunde, lokale Clubs – mit Demo-Mix und kurzem Profil.

Zu Hause klappen die Übergänge, ein paar Mixe sind aufgenommen – aber niemand bucht dich, weil dich noch niemand kennt. Das ist der Punkt, an dem viele hängen bleiben. Dabei startet kaum jemand direkt im Club. Erste Auftritte entstehen fast immer über kleine Bühnen, persönliche Kontakte und ein bisschen Hartnäckigkeit.

In diesem Kapitel geht es darum, wie du von außen sichtbar wirst: wo du realistisch anfangen kannst, wie du Teil der Szene wirst, was in dein Profil gehört und wie du Veranstalter so ansprichst, dass sie antworten. Und auch darum, bei welchen Angeboten du besser Nein sagst.

Bist du bereit für Publikum?

Ein Gig ist keine Übungsstunde. Wer dich bucht, verlässt sich darauf, dass du eine Tanzfläche über eine bestimmte Zeit halten kannst – auch wenn mal etwas schiefgeht. Bevor du aktiv anfragst, solltest du ehrlich sagen können:

  • Du spielst ein bis zwei Stunden am Stück, ohne dass Übergänge regelmäßig auseinanderfallen.
  • Du hast genug Musik für deinen Stil und Ausweich-Tracks, falls die Stimmung anders ist als erwartet.
  • Deine Musik liegt offline vor, etwa auf einem vorbereiteten USB-Stick. Auf WLAN in Bars und Clubs verlässt man sich nicht.
  • Du hast einen aktuellen Mix, den du ohne schlechtes Gewissen verschicken kannst.

Fehlt noch etwas davon, ist das kein Grund zu warten. Open Decks und private Partys sind genau dafür da, Routine vor echten Menschen zu sammeln.

Wo erste Gigs entstehen

Der Samstags-Slot im Club ist selten der Anfang. Realistischer sind Orte mit niedriger Einstiegshürde:

EinstiegWas dich erwartetWorauf du achten solltest
Open Deckskurzer Slot auf fremdem Equipmentfrüh auf die Liste, sauberes Kurz-Set vorbereiten
Bars & CafésMusik begleitet den AbendLautstärke im Griff, Auswahl passend zum Laden
Private Partysgemischtes Publikum, viele WünscheZeit, Technik und No-Gos vorher klären
Eigene Partyvolle KontrolleOrganisation, Kosten und Risiko trägst du mit
Warm-up im ClubRaum aufbauen, nicht abfeiernDisziplin, keine Tracks der Nachfolger

Open Decks sind besonders wertvoll: Du stehst zum ersten Mal auf fremder Technik vor Leuten, und im Publikum stehen oft genau die Menschen, die selbst Partys veranstalten. In einer Bar zählt Zuverlässigkeit mehr als Spektakel – wer versteht, dass ein Bar-Abend kein Peak-Time-Set ist, wird wieder gefragt. Und wenn dich niemand bucht, buch dich selbst: Mit zwei, drei befreundeten DJs eine kleine Reihe zu starten, ist einer der stärksten Wege in die Szene.

Teil der lokalen Szene werden

Booking funktioniert über Vertrauen. Veranstalter buchen lieber jemanden, den sie schon mal gesehen haben, als eine unbekannte Nachricht im Postfach. Die wichtigste Regel deshalb: Sei Teil der Szene, bevor du etwas von ihr willst.

  • Geh regelmäßig auf die Partys, auf denen du später spielen willst. Welche Läden es in deiner Stadt gibt, zeigt die Club-Übersicht.
  • Sprich mit DJs nach ihrem Set – über Musik, nicht über dein Booking.
  • Unterstütze andere: Events teilen, zu Gigs befreundeter DJs gehen, beim Aufbau helfen.
  • Schau, wer in deinem Genre auf Line-ups steht, zum Beispiel bei den Festivals in Deutschland. So erkennst du, welche Kollektive und Veranstalter für dich relevant sind.
  • Nutz Orte, an denen sich DJs treffen: Viele DJ-Geschäfte und Schulen bieten Workshops, Events oder offene Abende an.

Ein Kontakt, der dich als hilfsbereit und musikalisch interessiert kennt, ist mehr wert als jede perfekt formulierte Anfrage.

Dein DJ-Profil als Visitenkarte

Bevor jemand deinen Mix anhört, schaut er sich an, wer du bist. Dafür brauchst du am Anfang kein aufwendiges Presskit, aber ein paar Grundlagen sollten stehen:

  • Ein gutes Foto, auf dem man dich erkennt – kein unscharfer Schnappschuss aus der Booth. Kläre mit der fotografierenden Person, wie der Credit lauten soll und wer das Bild nutzen darf.
  • Eine Kurz-Bio mit zwei bis drei Sätzen in der dritten Person: welche Musik du spielst, wofür du stehst, wo man dich schon hören konnte. Ehrlichkeit schlägt Superlative.
  • Ein bis zwei aktuelle Mixe, direkt im Browser abspielbar.
  • Klare Kontaktdaten und nur die Kanäle, auf denen du wirklich aktiv bist. Achte darauf, dass dein DJ-Name überall gleich geschrieben ist.

Wie du die passenden Profile anlegst und alles über einen Link bündelst, steht im Kapitel Mach dich online sichtbar.

Wie Bios aufgebaut sind, siehst du gut an den Profilen im Verzeichnis DJs von A bis Z – achte darauf, wie wenige Sätze nötig sind, um einen Stil greifbar zu machen. Wenn du später professioneller auftreten willst, kommen Lang-Bio, Logo und Tech Rider dazu. Wie das aussieht, erklärt der Ratgeber DJ-Presskit erstellen.

Richtig anfragen und dranbleiben

Massenmails mit „Hi, ich bin DJ, buchst du mich?“ landen im Nichts. Eine gute Anfrage ist kurz, persönlich und zeigt, dass du die Party kennst:

  1. Bezug herstellen: Du warst bei der Reihe und kannst sagen, was dir gefällt.
  2. Erfahrung nennen: konkret und ehrlich, etwa Open Decks oder private Partys.
  3. Passenden Mix verlinken: für den Slot, den du anbietest – meist das Warm-up.
  4. Ohne Druck enden: Wenn es gerade nicht passt, sieht man sich bei der nächsten Party.

Schreib über den Kanal, den der Veranstalter selbst nutzt; bei vielen Kollektiven ist das eher Social Media als E-Mail. Absagen und ausbleibende Antworten sind normal, denn Veranstalter planen oft Monate im Voraus. Ein höfliches Nachhaken nach zwei bis drei Wochen ist in Ordnung, tägliche Nachrichten sind es nicht. Eine Beispiel-Anfrage und einen realistischen Zeitrahmen findest du im Ratgeber Den ersten DJ-Gig bekommen.

Unbezahlt, Pay-to-Play und Absprachen

Gerade am Anfang wirst du Angebote ohne oder mit wenig Geld bekommen. Open Decks, Partys im Freundeskreis oder eine eigene Reihe, bei der alle ohne Gage spielen, können dich trotzdem weiterbringen. Kostenlos aufzulegen sollte aber eine bewusste Entscheidung bleiben – besonders bei Läden, die mit dem Abend Geld verdienen.

Klare Warnsignale sind:

  • Pay-to-Play: Du sollst für deinen Auftritt zahlen, direkt oder über Ticketkontingente, die du notfalls selbst ausgleichst. Das ist kein Booking, sondern ein Geschäftsmodell auf deine Kosten.
  • Gästequoten als Bedingung: „Du spielst, wenn du 30 Leute mitbringst“ heißt, dass du als Marketing-Kanal gesehen wirst.
  • Keine klaren Absprachen zu Zeit, Technik und Bezahlung, auch nicht auf Nachfrage.
  • Druck und Eile, kombiniert mit Vorabzahlungen.

Steht ein Gig, halte die wichtigsten Punkte kurz schriftlich fest: Datum, Spielzeit, Adresse, vorhandene Technik, Gage oder Gegenleistung, Ansprechperson vor Ort. Sobald regelmäßig Geld fließt, kommen steuerliche Fragen dazu – einen Überblick gibt der Ratgeber Gage, Gewerbe und Steuern als Neben-DJ, eine individuelle Beratung ersetzt er nicht.

Und wenn aus den ersten kleinen Auftritten der erste Club-Slot wird: Wie du dich auf Technik, USB-Sticks und den Abend selbst vorbereitest, zeigt das Kapitel Dein erster Club-Gig.

Im Club-Verzeichnis findest du 1.875 Clubs und Discos in ganz Deutschland.

Am Ende dieses Schritts

  • DJ-Profil mit Foto, Kurz-Bio und Links erstellt
  • Bei Open Decks oder einer privaten Party gespielt
  • Passende Clubs und Partyreihen in meiner Stadt recherchiert
  • Veranstalter persönlich kennengelernt