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DJ-Glossar · Software & Dateien

MIDI

Auch: Musical Instrument Digital Interface, MIDI-Protokoll, MIDI-Signal, MIDI-Befehle, USB-MIDI

MIDI ist der seit 1983 bestehende Standard, mit dem Controller, Instrumente und Software Steuerbefehle austauschen – Tastendrücke und Reglerwerte, keinen Ton.

von · 7 Min. Lesezeit

LED-Feedback zurück an den ControllerPadReglerFaderNote OnKanal 1 · Note 36 · Velocity 127Control ChangeKanal 1 · CC 7 · Wert 0–127Hot Cue 1Deck AKanal-LautstärkeDeck ADie Software entscheidet, was eine Nachricht auslöst (Mapping).
MIDI überträgt kurze Nachrichten wie Note On und Control Change, die Software ordnet ihnen Funktionen zu. (eigene Illustration)

MIDI (Musical Instrument Digital Interface) ist ein Standard, mit dem elektronische Instrumente, Controller und Software Steuerbefehle austauschen. Über MIDI wird kein Ton übertragen, sondern Information: „Taste 36 gedrückt“, „Regler 7 steht auf 100“. Fast jeder DJ-Controller schickt so Fader-, Knopf- und Pad-Bewegungen an die DJ-Software.

MIDI ist 1983 entstanden, als konkurrierende Instrumentenhersteller sich auf eine gemeinsame Schnittstelle einigten. Dass ein Standard aus der Synthesizer-Welt der Achtziger heute in fast jedem DJ-Controller steckt, liegt an seiner Einfachheit: Er ist klein, schnell genug und wird von praktisch jeder Musiksoftware verstanden.

Wie MIDI funktioniert

Eine MIDI-Nachricht besteht aus wenigen Bytes: einem Statusbyte, das sagt, was passiert und auf welchem Kanal, und ein oder zwei Datenbytes mit den Werten. Die wichtigsten Nachrichtentypen für DJs:

NachrichtWas sie überträgtTypisch für
Note On / Note OffNotennummer (0–127) und Anschlagstärke (0–127)Tasten, Pads, Play, Cue
Control Change (CC)Controller-Nummer (0–127) und Wert (0–127)Fader, Drehregler, Encoder, Jogwheel
Pitch Bendein Wert mit 14 Bit (16.384 Stufen)manche Pitch-Fader
Program ChangeProgrammnummerPresets an Effektgeräten
System Exclusive (SysEx)herstellerspezifische DatenFirmware, Displays, Einstellungen
MIDI Clock24 Impulse pro ViertelnoteTempo-Synchronisation mit Drumcomputern

Dazu kommen 16 Kanäle. So können mehrere Geräte oder mehrere Bereiche eines Controllers dieselben Notennummern nutzen, ohne sich zu stören – etwa Deck A auf Kanal 1 und Deck B auf Kanal 2.

Ein Blick in eine Nachricht

Ein Beispiel macht das Prinzip greifbar. Drückst du ein Pad, das auf Kanal 1 die Note 36 sendet, schickt der Controller drei Bytes:

ByteWertBedeutung
Status144 (hexadezimal 90)Note On auf Kanal 1
Daten 136Notennummer
Daten 2127Anschlagstärke

Ein Fader auf Kanal 2, der als Control Change 7 sendet, beginnt mit dem Statusbyte 177 (hexadezimal B1) für „Control Change auf Kanal 2“, gefolgt von der Controller-Nummer 7 und dem aktuellen Wert. Mehr steckt in den meisten Controller-Nachrichten nicht – und genau deshalb ist MIDI so schnell und so universell.

Absolute und relative Werte

Ein Fader sendet absolute Werte: Seine Position entspricht direkt einer Zahl zwischen 0 und 127. Endlos-Drehregler und Jogwheels haben keine feste Position. Sie senden relative Werte, also „ein Stück nach rechts“ oder „zwei Stück nach links“. Wie diese Richtung kodiert wird, legt der Hersteller fest; die Software muss es wissen, sonst dreht sich der Regler falsch herum oder springt. Bei offiziellen Mappings ist das erledigt, bei eigenen Mappings stellst du den Modus selbst ein.

7 Bit, 14 Bit und warum das zählt

Ein normaler MIDI-Wert hat 7 Bit, also 128 Stufen von 0 bis 127. Für einen Kanalfader reicht das meist. Für einen Pitch-Fader dagegen nicht: Bei ±8 % Pitchbereich entspricht eine Stufe etwa 0,125 % Tempo – zu grob, um zwei Tracks sauber anzugleichen.

7 Bit: 128 Stufen14 Bit: 16.384 StufenFader-Weg (Ausschnitt)WertFader-Weg (Ausschnitt)Wertgrobe Sprünge, beim Pitch hörbarpraktisch stufenlos
7 Bit liefern 128 Stufen, 14 Bit 16.384 – genug für feinfühlige Pitch-Fader. (eigene Illustration)

Deshalb nutzen bessere Controller für Pitch-Fader und Jogwheels 14 Bit: Zwei Nachrichten (ein grober und ein feiner Teil) ergeben zusammen 16.384 Stufen. Pitch-Bend-Nachrichten sind von Haus aus 14 Bit. Ob die Software diese Auflösung nutzt, hängt vom Mapping ab.

Wege für MIDI: Kabel, USB, Netzwerk

  • 5-polige DIN-Buchse: der Original-Anschluss, heute noch an Synthesizern, Drumcomputern und manchen Mixern.
  • USB-MIDI: Der Standard bei DJ-Controllern. Die meisten Geräte sind „class compliant“ und laufen ohne eigenen Treiber; viele Hersteller liefern trotzdem einen Treiber mit, meist für die eingebaute Soundkarte.
  • Netzwerk und Bluetooth: MIDI lässt sich auch über Netzwerk und Bluetooth übertragen. Für Controller mit Jogwheel ist Kabel die sichere Wahl, weil es die geringste und gleichmäßigste Latenz hat.

MIDI im DJ-Setup

Ein typischer Controller ist intern zwei Geräte in einem: eine MIDI-Steuerung und eine Soundkarte. Wenn du einen Fader bewegst, schickt er eine CC-Nachricht über USB, die Software ändert die Lautstärke und spielt den Ton über die Soundkarte des Controllers zurück. In der Gegenrichtung schickt die Software MIDI-Nachrichten an den Controller, um LEDs, Pad-Farben oder Anzeigen zu steuern.

Was eine Nachricht in der Software auslöst, legt das MIDI-Mapping fest. Für offiziell unterstützte Controller bringt die Software das Mapping mit. Für andere Geräte kannst du es oft selbst anlegen – damit lassen sich auch Pad-Controller, Fader-Boxen oder Effekt-Controller ins Setup einbinden.

Neben MIDI nutzen manche Controller und Player HID, ein anderes USB-Protokoll mit höherer Auflösung und Platz für Display-Daten. Der Unterschied spielt vor allem bei Jogwheels und Playern mit Bildschirm eine Rolle.

Mehrere Controller gleichzeitig

Du kannst mehrere MIDI-Geräte gleichzeitig an einer DJ-Software betreiben, etwa einen Hauptcontroller und daneben einen Pad- oder Effekt-Controller. Jedes Gerät erscheint in den Einstellungen als eigener Eintrag mit eigenem Mapping. Wichtig ist nur, dass sich die Zuweisungen nicht überschneiden und alle Geräte stabil mit Strom versorgt sind – ein aktiver USB-Hub mit eigenem Netzteil ist bei mehreren Geräten besser als ein passiver.

MIDI Clock: Tempo für externe Geräte

Mit MIDI Clock schickt ein Gerät 24 Impulse pro Viertelnote an andere Geräte, die daraus das Tempo ableiten. So laufen Drumcomputer, Sampler oder Effektgeräte im Takt deines Mixes. Einige DJ-Programme können Clock senden, manche Mixer ebenfalls. Clock überträgt nur das Tempo und Start/Stopp, nicht die Phase zur Musik – die Eins musst du meist noch von Hand angleichen. Passende Geräte findest du unter Sampler und Effektgeräte.

MIDI 2.0

2020 haben die Gremien des Standards MIDI 2.0 verabschiedet. Es bringt deutlich höhere Auflösung, Kommunikation in beide Richtungen und automatische Abfrage der Fähigkeiten eines Geräts. MIDI 2.0 ist abwärtskompatibel: Geräte, die nur MIDI 1.0 sprechen, funktionieren weiter. Für DJ-Controller ist MIDI 1.0 nach wie vor der Normalfall. Die offiziellen Spezifikationen veröffentlicht die MIDI Association.

Von der Synthesizer-Buchse zum DJ-Controller

MIDI war ursprünglich für Keyboards, Synthesizer und Drumcomputer gedacht, verbunden über DIN-Kabel. Mit USB wanderte der Standard in Computer-Peripherie, und Controller mit Fadern, Knöpfen und Pads wurden zum Werkzeug für Musik-Software jeder Art. DJ-Controller sind im Kern eine Spezialform davon: ein MIDI-Gerät mit Mixer-Layout, Jogwheels und eingebauter Soundkarte. Dass der Standard seit Jahrzehnten kompatibel geblieben ist, ist einer der Gründe, warum du alte Controller oft noch heute per Mapping nutzen kannst.

Typische Probleme

  • Controller wird nicht erkannt: USB-Kabel, Anschluss direkt am Rechner (kein passiver Hub), Treiber und Firmware prüfen.
  • Zwei Programme greifen gleichzeitig zu: Unter manchen Betriebssystemen kann nur ein Programm den Controller öffnen.
  • Werte springen: Steht ein Regler beim Start anders als in der Software, springt der Wert beim ersten Bewegen. Manche Programme bieten dafür einen Übernahmemodus (Soft Takeover).
  • Ruckelndes Jogwheel: Mapping ohne passende Auflösung oder ohne Unterstützung für relative Werte.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Für Einsteiger: Du musst MIDI nicht verstehen, um aufzulegen. Wenn dein DJ-Controller offiziell mit deiner Software funktioniert, ist alles vorbereitet. Wichtig ist nur: Controller direkt anschließen, Treiber installieren, Software-Einstellungen prüfen.

Für Fortgeschrittene: Mit eigenen Mappings und Zusatz-Controllern baust du dir ein Setup nach Maß, etwa ein Pad-Controller für Sampler und Effekte neben dem Hauptcontroller. Wer Drumcomputer oder Groovebox einbindet, nutzt MIDI Clock. Welche Hardware mit welcher Software zusammenarbeitet, zeigt die Übersicht DJ-Controller; bei der Wahl hilft der DJ-Hardware-Finder.

Häufige Fragen zu MIDI

Was ist MIDI einfach erklärt?

MIDI ist eine gemeinsame Sprache für elektronische Musikgeräte. Statt Ton überträgt sie Befehle wie Taste gedrückt, Regler auf Wert 100 oder Tempo-Impuls. Ein DJ-Controller schickt so jede Bewegung an die Software, und die Software schickt Befehle zurück, um Lichter und Anzeigen am Controller zu steuern.

Überträgt MIDI Ton?

Nein. MIDI überträgt nur Steuerinformationen, keinen Klang. Bei einem DJ-Controller läuft der Ton über die eingebaute Soundkarte, also über einen getrennten Audio-Weg im selben USB-Kabel. Deshalb kann ein Controller auch ohne Soundkarte funktionieren, dann brauchst du ein separates Audio-Interface.

Was ist der Unterschied zwischen MIDI und HID?

MIDI ist ein genormter Musikstandard mit einfachen Nachrichten und meist 128 Stufen pro Wert. Jede Musiksoftware versteht ihn, und du kannst Geräte frei zuweisen. HID ist eine allgemeine USB-Geräteklasse, über die Hersteller eigene Datenpakete mit höherer Auflösung schicken. Dafür muss die Software das Gerät genau kennen.

Was ist ein MIDI-Controller beim DJing?

Ein MIDI-Controller ist ein Gerät mit Fadern, Reglern, Tasten oder Pads, das MIDI-Befehle an eine Software schickt. DJ-Controller sind spezialisierte MIDI-Controller mit Jogwheels und Mixer-Layout. Daneben gibt es kleine Zusatz-Controller für Effekte, Sampler oder Loops, die du per Mapping in dein Setup einbindest.

Was ist MIDI 2.0?

MIDI 2.0 ist die 2020 verabschiedete Weiterentwicklung des Standards. Sie bringt höhere Auflösung, Kommunikation in beide Richtungen und automatische Geräteerkennung. MIDI 2.0 bleibt abwärtskompatibel, ältere Geräte funktionieren also weiter. Bei DJ-Controllern ist MIDI 1.0 bislang der Normalfall.

Brauche ich für einen MIDI-Controller einen Treiber?

Für die reine MIDI-Steuerung meist nicht, denn die meisten Controller sind class compliant und werden vom Betriebssystem direkt erkannt. Hat der Controller eine eingebaute Soundkarte, brauchst du unter Windows für geringe Latenz in der Regel den ASIO-Treiber des Herstellers. Unter macOS genügt oft Core Audio. Die Anleitung des Herstellers sagt, was nötig ist.

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