Schritt 13 von 14
Dein erster Club-Gig
Club-Technik kennen, USB-Sticks vorbereiten, Checkliste für den Abend.
Der erste Club-Gig ist ein anderes Gefühl als jede Hausparty: fremde Technik, eine große Anlage, ein Team, das seinen Ablauf hat, und ein Publikum, das nicht wegen dir da ist. Nervosität gehört dazu. Gegen den größten Teil davon hilft aber schlichte Vorbereitung – je weniger du am Abend improvisieren musst, desto mehr Kopf bleibt für die Musik.
Dieses Kapitel führt dich durch alles, was zwischen Zusage und letztem Track passiert: was du vorab klärst, wie du dich auf Club-Technik einstellst, wie deine USB-Sticks gig-fertig werden und wie du dich in der Booth verhältst.
Vorab klären: Technik, Zeiten, Ablauf
Sobald der Gig steht, stell dem Veranstalter oder Booker ein paar Fragen. Das wirkt nicht unsicher, sondern professionell:
- Welche Technik steht in der Booth? Modell der Player und des Mixers, wie viele Kanäle, ob ein Booth-Monitor da ist. Spielst du mit eigenem Controller, frag nach freien Eingängen am Mixer, Platz und Strom.
- Wann genau spielst du, wann bist du da? Plane genug Puffer ein, um vor deinem Slot anzukommen.
- Wer spielt vor und nach dir? Hör dir deren Sets an. Im Warm-up gilt die goldene Regel: keine Tracks und keine Remixe der DJs, die nach dir kommen. Mehr dazu steht im Ratgeber Warm-up vs. Peak Time.
- Wie läuft die Übergabe? Per USB-Stick an den Playern oder mit Laptop-Umbau? Das bestimmt, wie viel Zeit du brauchst.
- Wer ist deine Ansprechperson am Abend, und darfst du einen Mitschnitt machen?
Schreib dir die Antworten auf. Am Abend selbst hast du keinen Nerv, Details zu suchen.
Club-Technik kennenlernen
In den meisten Clubs stehen statt eines Controllers Player und ein separater Mixer im Club-Standard. Die Grundfunktionen kennst du von deinem Controller, aber Layout, Menüs und Haptik sind anders: Der Tempo-Fader ist länger, die Jogwheels reagieren anders, Hot Cues und Loops liegen an anderen Stellen, der Mixer hat eigene Regler für Booth und Kopfhörer.
Wenn du die Technik vorher nicht in die Finger bekommst, wird die erste Viertelstunde zur Gerätekunde vor Publikum. Deshalb:
- Probier das Setup vorher aus, etwa in einem Musikgeschäft oder einer DJ-Schule, die Club-Technik zum Üben anbietet. Welche Modelle aktuell verbreitet sind, zeigen die Übersichten zu DJ-Playern und DJ-Mixern.
- Lerne die Grundbedienung auswendig: Track laden, Cue setzen, Tempo-Bereich ändern, Loop setzen, Kopfhörer auf den richtigen Kanal legen.
- Kenne den Weg zurück: Was tust du, wenn ein Track zu früh endet? Ein vorbereiteter Loop oder ein Track mit kurzem Intro rettet dich.
USB-Sticks richtig vorbereiten
Club-Player lesen deine Musik samt Beatgrids, Cue-Punkten und Playlists von einem USB-Stick, den du vorher mit der passenden Software vorbereitest – bei den verbreiteten Pioneer-DJ- und AlphaTheta-Playern ist das rekordbox. Einfach Dateien auf den Stick zu kopieren reicht nicht: Dann fehlen Wellenformen, Beatgrids, Hot Cues und Playlists.
Das Wichtigste in Kürze:
- Dateisystem: FAT32 ist die sichere Wahl, weil es praktisch alle Player lesen. exFAT funktioniert nur an neueren Geräten, NTFS gar nicht.
- Library vorher aufräumen: alle Tracks analysiert, Beatgrids geprüft, Cue-Punkte gesetzt, Metadaten sauber. Ein „Track 07“ hilft dir nachts um drei nicht weiter.
- Playlists nach Funktion: zum Beispiel ein Ordner für den Gig mit Playlists für Einstieg, Aufbau, Peak und Notfall.
- Zwei Sticks, identisch exportiert, getrennt aufbewahrt. Dazu ein Backup deiner Library zu Hause.
- Keine Streaming-Tracks einplanen: Sie lassen sich nicht auf den Stick exportieren.
- Gegenprobe: Teste den Stick vor dem ersten Gig an einem echten Player.
Für Denon-DJ-Player nutzt du stattdessen Engine DJ Desktop. Den kompletten Ablauf erklärt der Ratgeber USB-Sticks für Club-Player vorbereiten. Denk außerdem daran, dass Kopien von Musik für öffentliche Auftritte in Deutschland ein Lizenzthema sind; den Überblick gibt der Ratgeber GEMA-Lizenz für DJs.
Die Tasche für den Abend
Pack am Vortag, nicht eine Stunde vor Abfahrt. Bewährt hat sich eine feste Tasche, die nach jedem Gig wieder aufgefüllt wird:
| Gegenstand | Warum |
|---|---|
| Kopfhörer plus Adapter (Klinke groß/klein) | Mixer haben unterschiedliche Buchsen |
| Zwei USB-Sticks | einer ist dein Backup |
| Gehörschutz | mehrere Stunden an der Anlage |
| Handy mit Ladekabel oder Powerbank | Kontakt, Notizen, Timing |
| Controller, Laptop, alle Kabel, Netzteile | nur wenn du mit eigenem Setup spielst |
| Ausweis, Absprachen als Notiz | Einlass, Gästeliste, Rückfragen |
Beschrifte deine Sticks mit Namen oder Kontakt. Verlorene Sticks gehören zu den häufigsten Fundstücken in DJ-Booths.
Ankommen, Übergabe, erster Track
Sei früh da. Stell dich dem Team vor – Veranstalter, Technik, Bar – und dem DJ, der vor dir spielt. Nutze die Zeit, um dir die Booth anzusehen: Wo ist der Booth-Monitor-Regler, welcher Player ist frei, wo steckst du deine Kopfhörer ein?
Für die Übergabe gelten ein paar ungeschriebene Regeln:
- Steck deinen Stick erst ein, wenn dir der Player überlassen wird, und zieh nie einen fremden Stick, solange darauf ein Track läuft.
- Knüpf an: Starte im Tempo und in der Stimmung, in der dein Vorgänger aufgehört hat. Erst nach zwei, drei Tracks schlägst du deine eigene Richtung ein. Wer mit voller Wucht einsteigt, erzeugt einen hörbaren Bruch.
- Erste Tracks vorplanen: Die ersten drei, vier Tracks fest im Kopf zu haben, nimmt viel Nervosität. Danach arbeitest du mit deinen vorbereiteten Blöcken, wie im Kapitel Bau dein erstes Set beschrieben.
- Am Ende selbst sauber übergeben: einen letzten Track mit langem, klarem Outro wählen, Stick über das Menü auswerfen, nichts am Mixer verstellt lassen.
In der Booth: Pegel und Gehör
Club-Anlagen verzeihen wenig. Achte auf saubere Pegel: Kanäle über das Gain angleichen, Kanal- und Master-Anzeigen aus dem roten Bereich halten. Übersteuern klingt auf großen Anlagen schnell hart und verzerrt – und Technik und Veranstalter hören das.
Den Booth-Monitor stellst du bewusst niedrig ein. Im Laufe der Nacht wandert der Regler fast automatisch nach oben, und dann drehst du den Kopfhörer lauter, um dagegen anzukommen. Starte leise und prüf zwischendurch, ob du wirklich mehr brauchst. Trag Gehörschutz mit Filter und setz den Kopfhörer nur zum Vorhören auf. Warum das so wichtig ist, erklärt der Ratgeber Gehörschutz für DJs.
Und dann: Augen hoch. Spiel für den Raum, nicht für dich. Wenn ein Übergang danebengeht, mach weiter – das Publikum vergisst einen Patzer schneller als du.
Nach dem Gig
Der Abend ist nicht vorbei, wenn dein letzter Track ausläuft. Räum zügig, aber ohne Hektik deine Sachen zusammen, kontrollier, dass beide Sticks wieder bei dir sind, und bedank dich beim Team.
Am nächsten Tag schreibst du dem Veranstalter eine kurze Nachricht: Danke für den Abend, und gab es etwas, das du beim nächsten Mal anders machen solltest? Genau diese Nachricht entscheidet oft über den zweiten Gig. Exportier die History deiner Software oder notier aus dem Gedächtnis, was funktioniert hat und was nicht. Hast du einen Mitschnitt, hör ihn mit etwas Abstand an.
Wenn aus einzelnen Auftritten regelmäßige bezahlte Gigs werden, kümmere dich rechtzeitig um Anmeldung, Rechnungen und Steuern. Wie das geht – mit Gewerbeanmeldung Feld für Feld und Rechnungsvorlage –, zeigt das nächste Kapitel Mach es offiziell: Gewerbe, Steuern, Rechnungen.
Am Ende dieses Schritts
- Technik im DJ-Booth vorab erfragt
- Zwei USB-Sticks mit Playlists vorbereitet
- Tasche gepackt: Kopfhörer, Adapter, Gehörschutz, Backup
- Übergabe mit dem DJ vor mir abgesprochen
- Nach dem Gig bedankt und Feedback geholt