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Alle Schritte und Abschnitte

Schritt 3 von 14

Finde deine Musikrichtung

Genres, Tempo und Vorbilder: Hör dir Sets der DJs an, die dich begeistern.

Dein Stil als DJ entsteht nicht am Controller, sondern beim Hören. Die Musik, die dich begeistert, ist der beste Ausgangspunkt – aber „ich höre eigentlich alles“ reicht als Antwort nicht. Um ein Set zu bauen, brauchst du einen Rahmen: welche Genres, welches Tempo, welche Stimmung.

In diesem Schritt grenzt du deine Richtung ein, hörst dir an, wie andere DJs diese Musik spielen, und schaust, wo sie in deiner Umgebung tatsächlich läuft. Das Ergebnis ist kein Etikett für immer, sondern ein Startpunkt, an dem du dich die nächsten Monate orientieren kannst.

Was einen Musikstil ausmacht

Ein Genre ist mehr als ein Name im Track-Shop. Für DJs zählen vor allem drei Dinge:

  • Tempo: Liegen die Tracks nah beieinander, kannst du sie problemlos ineinander mischen. House bewegt sich typischerweise zwischen etwa 118 und 128 BPM, Techno zwischen 125 und 140, Drum & Bass um 170 bis 176, Hip-Hop eher zwischen 85 und 100.
  • Rhythmus und Aufbau: Eine gerade Kick auf jedem Schlag (Four-to-the-Floor) mischt sich anders als ein gebrochener Beat. Lange Intros und Outros machen lange Übergänge möglich, kurze Radio-Edits verlangen schnelle Wechsel.
  • Funktion: Manche Musik ist für die Tanzfläche um drei Uhr nachts gebaut, manche für ein Warm-up, manche für eine Hochzeit, auf der drei Generationen tanzen.

Im Kapitel Versteh die Grundlagen kannst du zwölf Genres direkt nebeneinander anhören und vergleichen. Wenn du einen Track nicht zuordnen kannst, hilft der BPM-Tapper: Tempo antippen, dann siehst du schnell, in welche Ecke er gehört.

Drei Genres als Startpunkt

Leg dich zunächst auf drei Genres fest, die du spielen willst. Drei sind genug für Abwechslung und wenig genug, um in jedem davon Tiefe aufzubauen. Am besten funktionieren Nachbarn, die sich im Tempo überschneiden:

KombinationTempo-BereichWarum es passt
Deep House, House, Afro Houseetwa 115 bis 128 BPMähnliches Tempo, gerade Kick, fließende Übergänge
Techno, Trance, Hardtechnoetwa 125 bis 160 BPMEnergie lässt sich über das Tempo schrittweise steigern
Hip-Hop, Reggaeton & Latin, Drum & Bassetwa 85 bis 100 bzw. 170 bis 176 BPMhalbes und doppeltes Tempo lassen sich verbinden

Das sind Beispiele, keine Regeln. Wichtig ist, dass du die Verbindung zwischen deinen Genres erklären kannst. Wenn du Deep House und Hardstyle kombinieren willst, geht das, aber du brauchst dann einen Plan, wie du von einem zum anderen kommst.

Als mobiler DJ gilt eine Ausnahme: Hier ist Breite gefragt. Trotzdem lohnt es sich, einen Kern zu haben, in dem du dich besonders gut auskennst – etwa aktuelle Party-Hits oder die Klassiker eines Jahrzehnts.

Komplette Sets richtig anhören

Einzelne Tracks zeigen dir, was du magst. Komplette Sets zeigen dir, wie man es spielt. Such dir Aufnahmen von DJs, die in deinen Genres unterwegs sind, und hör sie bewusst – nicht nebenbei beim Arbeiten.

Achte dabei auf:

  • Übergänge: Wie lange laufen zwei Tracks gleichzeitig? Dreißig Sekunden oder drei Minuten? Wird der Bass getauscht, gefiltert, hart geschnitten?
  • Energiekurve: Wo wird es ruhiger, wo zieht das Set an? Gibt es einen Höhepunkt, oder bleibt die Energie konstant?
  • Track-Auswahl: Spielt der DJ nur aktuelle Releases oder mischt er ältere Tracks dazwischen? Welche Tracks tauchen bei mehreren DJs auf?
  • Kontext: Ist es ein Warm-up, ein Peak-Time-Set oder ein Closing? Ein Opening klingt bewusst anders als die Stunde vor Sonnenaufgang. Mehr dazu im Ratgeber Warm-up vs. Peak Time.

Notier dir nach jedem Set zwei, drei Beobachtungen. Nach einigen Sets erkennst du Muster, die du später selbst nutzen kannst.

Vorbilder finden, ohne sie zu kopieren

Sammle dir fünf Vorbild-DJs: zwei bekannte Namen, deren Sets du gut findest, und drei, die näher an deiner Realität sind – lokale DJs, Residents aus Clubs in deiner Stadt, Leute, die du live gesehen hast. Von den großen Namen lernst du, was möglich ist. Von den lokalen lernst du, was in deiner Szene funktioniert.

Im DJ-Verzeichnis findest du zu vielen DJs die offiziellen Kanäle, über die sie Mixe veröffentlichen, und die Festivals, auf denen sie gespielt haben. Die Line-ups im Festival-Verzeichnis zeigen dir außerdem, welche Namen in deinem Genre regelmäßig zusammen gebucht werden. Darüber entdeckst du schnell weitere DJs, die zu deinem Geschmack passen.

Kopieren ist am Anfang übrigens kein Problem, sondern eine gute Übung: einen Übergang nachbauen, den du gehört hast, oder eine Track-Abfolge nachspielen. Nur solltest du daraus mit der Zeit deine eigene Handschrift entwickeln.

Wo deine Musik in deiner Stadt läuft

Eine Musikrichtung ist auch eine Szene. Schau dir an, welche Clubs in deiner Nähe welche Musik spielen, welche Partyreihen es gibt und wer dort regelmäßig auflegt. Geh hin, hör zu, beobachte die Booth. Du lernst dabei, wie deine Musik auf einer echten Anlage und mit echtem Publikum wirkt – und du lernst die Leute kennen, mit denen du später vielleicht spielst.

Wenn dein Lieblingsgenre in deiner Stadt kaum stattfindet, ist das keine Sackgasse. Es bedeutet nur, dass dein Weg anders aussieht: über Online-Mixe, Nachbarstädte oder eigene Partys.

Typische Fehler bei der Genre-Wahl

  • Nur nach Trends gehen: Wenn du ein Genre spielst, nur weil es gerade überall läuft, merkst du es schnell an deiner Motivation beim Diggen.
  • Zu weit streuen: Zehn Genres mit je fünf Tracks ergeben kein Set, sondern eine Playlist ohne roten Faden.
  • Nur Hits kennen: Wer nur die bekanntesten Tracks eines Genres kennt, klingt wie alle anderen. Die Tiefe liegt in den B-Seiten, Remixen und kleineren Labels.
  • Den Raum vergessen: Was dir allein gefällt, funktioniert nicht automatisch auf jeder Tanzfläche. Überleg dir, für wen du spielen willst.

Wenn deine drei Genres stehen, geht es als Nächstes an die Technik: In Wähl dein Einsteiger-Setup findest du heraus, welche Hardware zu deinem Ziel und deiner Musik passt. Danach kümmerst du dich in Besorg dir deine Musik darum, deine Lieblingstracks in guter Qualität zu bekommen.

Am Ende dieses Schritts

  • Drei Lieblings-Genres festgelegt
  • Fünf Vorbild-DJs gefunden
  • Mindestens drei komplette Sets bewusst angehört