DJ-Glossar · Mixing & Übergänge
Nudging (Pitch Bend)
Auch: Nudging, Nudge, Pitch Bend, Pitch-Bend, Anschieben und Bremsen, nudgen
Nudging (Pitch Bend) heißt, einen Track kurz anzuschieben oder abzubremsen, um die Beats wieder übereinanderzulegen – ohne das eingestellte Tempo zu ändern.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Nudging, auch Pitch Bend genannt, bedeutet, einen laufenden Track für einen Moment schneller oder langsamer zu machen, um seine Phase zu korrigieren. Liegen die Beats zweier Tracks leicht versetzt, schiebst du den einen kurz an oder bremst ihn ab, bis die Kicks wieder zusammenfallen. Danach läuft der Track im eingestellten Tempo weiter – der Pitch-Fader bleibt unberührt.
Nudging und Pitch-Fader: zwei verschiedene Aufgaben
Beim Beatmatching gibt es zwei Probleme: falsches Tempo und falsche Phase. Der Pitch-Fader löst das erste – er ändert das Tempo dauerhaft. Nudging löst das zweite – es verschiebt den Track zeitlich, ohne sein Tempo zu ändern.
Die Grafik oben zeigt das: Während du am Rand des Jogwheels drehst, steigt oder fällt das Tempo kurz an, danach kehrt es zum eingestellten Wert zurück. Der Track ist danach ein Stück weiter vorn oder hinten, läuft aber genauso schnell wie vorher.
Eine Faustregel: Laufen zwei Tracks immer wieder in dieselbe Richtung auseinander, stimmt das Tempo nicht – dann gehört die Korrektur an den Pitch-Fader. Bleibt der Versatz nach dem Nudging stabil, stimmte nur die Phase nicht.
So nudgst du auf verschiedenen Geräten
- Jogwheel an Controllern und Playern: Dreh am Rand des Rads im Uhrzeigersinn, um den Track anzuschieben, gegen den Uhrzeigersinn, um ihn zu bremsen. Die Oberseite ist bei vielen Geräten im Vinyl-Modus für Scratching reserviert – fasst du dort an, hält der Track an.
- Pitch-Bend-Tasten: Viele Player und Controller haben Plus- und Minus-Tasten, die den Track beschleunigen oder bremsen, solange du sie hältst.
- Plattenspieler: Zum Anschieben drückst du die Platte am Label oder am Rand leicht in Laufrichtung, manche DJs drehen dafür an der Mittelachse. Zum Bremsen berührst du kurz den seitlichen Rand des Plattentellers mit dem Finger.
- Software und Tastatur: In DJ-Programmen liegen Nudge-Funktionen auf Tasten oder Mausbewegungen auf der Wellenform.
Probier es im Demo aus: Gleiche mit dem Pitch-Fader das Tempo an und korrigiere die Phase mit den Nudge-Tasten.
124.0 BPM
Pitch 0.0 % · Original 124 BPM
Wie viel Nudging?
- Klein anfangen: Ein kurzer, leichter Dreh reicht meist. Zu starke Korrekturen schießen über das Ziel hinaus, und du korrigierst in die Gegenrichtung.
- Hören, dann handeln: Nach jedem Nudge einen Takt lang hinhören, bevor du erneut eingreifst.
- Richtung testen: Wird der Galopp beim Anschieben schlimmer, lag der Track schon vorn – dann bremst du stattdessen.
- Empfindlichkeit einstellen: Bei vielen Controllern und Playern lässt sich einstellen, wie stark das Jogwheel reagiert. Wer viel nudgt, findet seine bevorzugte Einstellung.
Nudging während des Übergangs
Bei langen Blends kann es passieren, dass zwei Tracks im Laufe des Übergangs leicht auseinanderlaufen, besonders bei Tracks mit live eingespieltem Schlagzeug. Dann nudgst du den Track, der weniger zu hören ist. Den lauten, gerade dominanten Track lässt du in Ruhe, weil Korrekturen an ihm auffallen. Sehr kurze, sanfte Nudges sind auf der Tanzfläche praktisch nicht hörbar, kräftige Eingriffe dagegen schon – sie klingen wie ein leichtes Leiern.
Wird das Nachführen zum Dauerzustand und die Tracks laufen trotzdem auseinander, droht ein Trainwreck. Dann ist es oft besser, den Übergang abzukürzen.
Typische Fehler
- Mit dem Pitch-Fader nudgen: Wer bei jedem Versatz am Fader dreht, verstellt das Tempo und muss danach wieder zurück.
- Auf der Oberfläche statt am Rand: Im Vinyl-Modus stoppt der Track bei Berührung der Oberseite.
- Den falschen Track nudgen: Korrekturen am Track, den das Publikum gerade hauptsächlich hört, fallen eher auf.
Für Einsteiger und für Fortgeschrittene
Für Einsteiger: Trenne die beiden Bewegungen bewusst: erst das Tempo mit dem Pitch-Fader, dann die Phase mit dem Jogwheel. Übungen dazu bietet der Ratgeber Beatmatching lernen.
Für Fortgeschrittene: Üb das Nudging auf verschiedenen Geräten, besonders auf Plattenspielern, wo das Gefühl ganz anders ist als an einem Jogwheel. Wer zwischen Controller, CDJ und Vinyl wechselt, sollte die Bewegung auf allen drei sicher beherrschen. Eine Übersicht über Geräte mit großen Jogwheels findest du bei den DJ-Controllern.
Häufige Fragen zu Nudging (Pitch Bend)
Was bedeutet Nudging beim Auflegen?
Nudging heißt, einen laufenden Track kurz anzuschieben oder abzubremsen, damit seine Beats wieder exakt auf denen des anderen Tracks liegen. Es korrigiert also die Phase, nicht das Tempo. Danach läuft der Track im eingestellten Tempo weiter. Gemacht wird es am Rand des Jogwheels, mit Pitch-Bend-Tasten oder am Plattenteller.
Was ist der Unterschied zwischen Pitch Bend und Pitch-Fader?
Der Pitch-Fader ändert das Tempo eines Tracks dauerhaft, bis du ihn wieder bewegst. Pitch Bend ändert das Tempo nur, solange du am Jogwheel drehst oder die Taste hältst, und verschiebt den Track damit zeitlich. Mit dem Fader gleichst du das Tempo an, mit Pitch Bend die Position der Beats.
Warum stoppt mein Track, wenn ich das Jogwheel berühre?
Dann ist der Vinyl-Modus aktiv und du hast die berührungsempfindliche Oberseite angefasst. Im Vinyl-Modus verhält sich die Oberseite wie eine Platte, die du mit der Hand anhältst, etwa zum Scratchen. Zum Nudgen drehst du stattdessen am Rand des Jogwheels oder schaltest den Vinyl-Modus aus.