DJ-Glossar · Sound & Effekte
Dezibel (dB, dBFS, dBu)
Auch: Dezibel, dB, dBFS, dBu, dBV, dB SPL, dB(A), Decibel
Dezibel (dB) ist ein logarithmisches Maß für Pegel und Lautstärke. Der Zusatz wie dBFS, dBu oder dB SPL verrät, worauf sich der Wert bezieht.
von Mario Kernich· 7 Min. Lesezeit
Dezibel (dB) ist ein logarithmisches Maß, das ein Verhältnis zwischen zwei Größen angibt – etwa wie viel lauter ein Signal ist als ein anderes. Steht nach dem dB ein Zusatz wie dBFS, dBu oder dB SPL, ist der Wert auf eine feste Bezugsgröße bezogen. DJs begegnet das Dezibel überall: am Gain, an der Pegelanzeige, in der Software und beim Gehörschutz.
Warum Dezibel logarithmisch sind
Das Gehör verarbeitet einen riesigen Bereich: Der lauteste Schalldruck, den es ohne Schmerz verträgt, ist rund eine Million Mal größer als der leiseste hörbare. Mit linearen Zahlen wäre das unhandlich. Außerdem nimmt das Ohr Lautstärke im Verhältnis wahr, nicht in absoluten Schritten. Das Dezibel bildet genau das ab: Gleiche dB-Schritte fühlen sich ungefähr gleich groß an, egal ob es leise oder laut ist.
Technisch ist ein Dezibel ein Zehntel eines Bel und berechnet sich als 10 mal Logarithmus des Leistungsverhältnisses. Für Spannung und Schalldruck, die quadratisch in die Leistung eingehen, rechnet man mit 20 mal Logarithmus. Daraus folgen die Faustregeln, die du im Alltag brauchst:
- +6 dB
- doppelte Spannung oder doppelter Schalldruck
- +3 dB
- doppelte Leistung
- etwa zwei gleich laute, unabhängige Quellen
- +10 dB
- wirkt etwa doppelt so laut
- 0 dB
- Bezugswert erreicht
- nicht Stille
- −∞ dB
- Stille
- z. B. Fader ganz unten
Die wichtigsten dB-Varianten für DJs
| Einheit | Bezug | Wo du sie siehst |
|---|---|---|
| dB | relativ, ohne festen Bezug | Gain, EQ, Fader: „+6 dB“, „−26 dB“ |
| dBFS | digitale Vollaussteuerung (0 dBFS = Maximum) | DJ-Software, Audio-Interface, Aufnahme |
| dBu | 0,775 Volt | analoge Ausgänge, Profi-Pegel (+4 dBu) |
| dBV | 1 Volt | Consumer-Pegel (−10 dBV) |
| dB SPL | Schalldruck, bezogen auf die Hörschwelle | Lautstärke im Club, Gehörschutz |
| dB(A), dB(C) | Schalldruck mit Frequenzbewertung | Lärmschutz, Messungen bei Veranstaltungen |
| dBTP | True Peak, Spitzenwert zwischen den Samples | Mastering, Streaming-Vorgaben |
Für die Lautheit eines ganzen Tracks gibt es eigene Einheiten, LU und LUFS. Die erklärt der Eintrag LUFS.
dBFS: der digitale Pegel
In der digitalen Welt gibt es eine harte Obergrenze: den größten Wert, den das System darstellen kann. Er heißt 0 dBFS (Full Scale). Alle Pegel liegen darunter und sind deshalb negativ: −6 dBFS bedeutet, dass die Spitzen bei der Hälfte des maximalen Ausschlags liegen. Versucht ein Signal, über 0 dBFS zu gehen, wird es abgeschnitten – das ist digitales Clipping. DJ-Software, Audio-Interfaces und Aufnahmeprogramme zeigen ihre Pegel in dBFS.
dBu und dBV: analoge Pegel
Analoge Geräte übertragen Spannungen. Profi-Equipment arbeitet meist mit einem Nennpegel von +4 dBu, Consumer-Geräte mit −10 dBV. Der Unterschied beträgt knapp 12 dB. Schließt du ein Consumer-Gerät an einen Profi-Eingang an, kommt es deutlich zu leise an. Umgekehrt kann ein Profi-Ausgang einen Consumer-Eingang übersteuern. Dazu kommen Phono- und Mikrofonpegel, die noch einmal viel leiser sind – Details unter Phono und Line.
Viele analoge Mixer haben eine Pegelanzeige, deren 0-Markierung dem Nennpegel entspricht und nicht dem Maximum. Über der Null bleibt dann noch Reserve, der Headroom. Bei digitalen Mixern und Controllern hängt es vom Gerät ab, wie die Anzeige skaliert ist. Ein Blick in die Anleitung klärt, ob „0“ am Meter Nennpegel oder Vollaussteuerung bedeutet.
Track
Gut eingepegelt: Spitzen mit Reserve unter 0 dBFS.
Headroom am Master: 5,8 dB. Die Werte sind Spitzenpegel in dBFS, wie in DJ-Software: 0 dBFS ist das digitale Maximum.
dB SPL: wie laut es wirklich ist
Was auf der Tanzfläche ankommt, misst man als Schalldruckpegel in dB SPL. Bezugswert ist ein Schalldruck von 20 Mikropascal, ungefähr die Hörschwelle bei 1 kHz. Für Lärmschutz wird der Wert meist mit einer Frequenzbewertung angegeben: dB(A) gewichtet ungefähr so wie das Gehör bei eher leisen Pegeln und wertet tiefe Frequenzen stark ab, dB(C) berücksichtigt die Bässe stärker und wird für Spitzenpegel genutzt.
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung nennt für Beschäftigte als untere Auslösewerte einen Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) und einen Spitzenschalldruckpegel von 135 dB(C), als obere Auslösewerte 85 dB(A) und 137 dB(C) (Stand: Oktober 2026, § 6 LärmVibrationsArbSchV). Clubs liegen auf der Tanzfläche oft deutlich darüber. Was das für dich bedeutet und welche Regeln für Veranstaltungen gelten, steht im Ratgeber Gehörschutz für DJs.
Rechnen mit Dezibel: Faustregeln
Dezibel addiert man nicht einfach. Zwei gleich laute Tracks ergeben nicht den doppelten dB-Wert, sondern je nach Signal einige dB mehr:
- Zwei gleiche Signale, exakt im Takt und in Phase: bis zu +6 dB. Das passiert, wenn du zwei identische Tracks übereinanderlegst.
- Zwei unterschiedliche, gleich laute Signale: im Mittel etwa +3 dB. So ungefähr verhält sich ein normaler Blend zweier Tracks.
- Doppelter Abstand zur Box: im Freifeld etwa −6 dB. In Räumen fällt der Pegel wegen der Reflexionen weniger stark ab.
- Leistung verdoppeln: +3 dB. Ein doppelt so starker Verstärker macht die Anlage also nicht doppelt so laut, sondern nur hörbar etwas lauter.
Für die Praxis bedeutet das: Wenn zwei Tracks im Übergang voll offen laufen, steigt der Summenpegel. Darum gehört ein Kanal im Blend leicht zurückgenommen, oder du arbeitest mit dem EQ. Wie sich die Pegel durch die ganze Kette verhalten, erklärt Gain Staging.
Dezibel in Datenblättern lesen
Beim Kauf von Boxen, Kopfhörern oder Mixern stolperst du über viele dB-Angaben. Die wichtigsten:
| Angabe | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Maximaler Schalldruck (max. SPL) | wie laut eine Box höchstens wird, meist als Spitzenwert in kurzer Entfernung gemessen |
| Empfindlichkeit / Kennschalldruck | Schalldruck bei definierter Leistung und Entfernung, etwa 1 Watt in 1 Meter |
| Frequenzgang ±3 dB | Bereich, in dem die Wiedergabe höchstens 3 dB vom Ideal abweicht |
| Signal-Rausch-Abstand | Abstand zwischen Nutzsignal und Grundrauschen, größer ist besser |
| Maximaler Ausgangspegel (dBu) | wie viel Spannung ein Ausgang liefern kann, bestimmt den Headroom |
Vorsicht beim Vergleichen: Hersteller messen nicht immer unter gleichen Bedingungen. Ein maximaler Schalldruck als kurzer Spitzenwert sagt wenig darüber, wie laut eine Box über Stunden sauber spielt. Wie gleichmäßig sie die Frequenzen wiedergibt, beschreibt der Frequenzgang.
Typische Missverständnisse
- 0 dB ist nicht Stille. 0 dB heißt, der Bezugswert ist erreicht. In dBFS ist das sogar das Maximum. Stille entspricht minus unendlich.
- Negative Werte sind kein Fehler. In der Software ist praktisch jeder Pegel negativ, weil alles unter 0 dBFS liegen muss.
- dB am Gain-Regler sind relativ. „+6 dB“ am Gain bedeutet „6 dB lauter als vorher“, nicht einen absoluten Pegel.
- Die Null am Meter ist nicht überall gleich. Am analogen Mixer ist sie oft Nennpegel mit Reserve darüber, in der Software das harte Limit.
- Mehr Watt heißt nicht viel lauter. Erst etwa die zehnfache Leistung wirkt doppelt so laut.
Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Für Einsteiger: Merk dir drei Dinge. Die Pegel in der Software sind negativ, und das ist richtig so. Rot an der Anzeige heißt: Gain zurück. Und 6 dB sind ein deutlicher Schritt, 1 dB ist kaum hörbar. Wenn du am Gain nachregelst, reichen deshalb meist kleine Bewegungen – große Sprünge hört der Floor sofort.
Für Fortgeschrittene: Lerne die Bezugsgrößen deiner Geräte kennen. Wie viel Headroom hat dein Mixer über der Null? Mit welchem Pegel liefert dein Master-Ausgang an die Anlage, und erwartet die Anlage Profi- oder Consumer-Pegel? Wer das weiß, kann mit Technikern auf Augenhöhe sprechen und vermeidet die meisten Probleme mit Pegel und Verzerrung schon beim Aufbau.
Häufige Fragen zu Dezibel (dB, dBFS, dBu)
Was bedeutet dB?
dB steht für Dezibel, ein logarithmisches Maß für das Verhältnis zweier Größen, etwa zweier Pegel. Ohne Zusatz ist ein dB-Wert relativ, zum Beispiel 6 dB lauter als vorher. Mit Zusatz wie dBFS, dBu oder dB SPL bezieht er sich auf eine feste Bezugsgröße, etwa das digitale Maximum, eine Spannung oder die Hörschwelle.
Was ist der Unterschied zwischen dB und dBFS?
dB ist ein relatives Maß ohne festen Bezug. dBFS bezieht sich auf die digitale Vollaussteuerung: 0 dBFS ist der größte Wert, den ein digitales System darstellen kann. Alle Pegel in DJ-Software und Audio-Interfaces liegen darunter und sind deshalb negativ. Geht ein Signal über 0 dBFS, clippt es.
Was bedeutet dBu?
dBu ist ein analoger Spannungspegel mit dem Bezugswert 0,775 Volt. Profi-Geräte arbeiten meist mit einem Nennpegel von plus 4 dBu. Consumer-Geräte nutzen dagegen minus 10 dBV, bezogen auf 1 Volt. Der Unterschied zwischen beiden Standards beträgt knapp 12 dB, was beim Verbinden von Geräten zu Pegelproblemen führen kann.
Wie viel lauter sind 3 dB?
Plus 3 dB entsprechen der doppelten Leistung, wirken aber nur etwas lauter. Plus 6 dB bedeuten doppelte Spannung oder doppelten Schalldruck. Damit etwas für das Gehör ungefähr doppelt so laut wirkt, braucht es etwa plus 10 dB. Ein doppelt so starker Verstärker macht eine Anlage deshalb nicht doppelt so laut.
Warum sind die Pegel in der DJ-Software negativ?
Weil die Software in dBFS misst. 0 dBFS ist das digitale Maximum, alles darüber würde abgeschnitten. Jeder normale Pegel liegt deshalb darunter und hat ein Minuszeichen. Ein Spitzenpegel von minus 6 dBFS bedeutet zum Beispiel, dass noch 6 dB Reserve bis zum Maximum bleiben.