DJ-Glossar · Hardware & Setup
Direktantrieb & Riemenantrieb
Auch: Direktantrieb, Riemenantrieb, Direct Drive, Belt Drive, Direktantrieb vs. Riemenantrieb
Beim Direktantrieb sitzt der Plattenteller direkt auf dem Motor, beim Riemenantrieb treibt ihn ein Gummiriemen an. DJs brauchen Direktantrieb.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Direktantrieb und Riemenantrieb sind die zwei üblichen Arten, einen Plattenteller in Bewegung zu setzen. Beim Direktantrieb sitzt der Teller direkt auf der Achse eines flachen Motors. Beim Riemenantrieb liegt der Motor daneben und treibt den Teller über einen Gummiriemen an. Für DJs ist der Direktantrieb Standard, weil er schnell anläuft und das Tempo unter der Hand hält.
So funktioniert der Direktantrieb
Der Motor ist ein flacher, langsam drehender Elektromotor, dessen rotierender Teil mit dem Teller verbunden ist. Eine Regelelektronik misst ständig die Drehzahl und korrigiert sie, viele Geräte nutzen dafür eine Quarz-Referenz. Weil zwischen Motor und Teller nichts nachgibt, überträgt der Motor seine Kraft ohne Verlust.
Das bringt drei Eigenschaften, die DJs brauchen:
- Hohes Drehmoment: Der Teller hält sein Tempo, auch wenn du die Platte mit der Hand bremst, anschiebst oder festhältst.
- Kurze Anlaufzeit: Nach dem Start ist die Solldrehzahl in Sekundenbruchteilen erreicht. Das ist die Voraussetzung, um einen Track punktgenau aus dem Stand einzuwerfen.
- Präziser Pitch: Die Elektronik kann die Drehzahl fein und stabil verändern.
So funktioniert der Riemenantrieb
Beim Riemenantrieb dreht ein kleiner, schneller Motor eine Riemenscheibe. Ein elastischer Riemen überträgt die Bewegung auf den Teller. Der Riemen dämpft Motorvibrationen, deshalb setzen viele Hi-Fi-Hersteller auf dieses Prinzip. Für den DJ-Einsatz hat es Nachteile: Bremst du die Platte, rutscht oder dehnt sich der Riemen, und der Teller braucht spürbar länger, bis er wieder auf Tempo ist. Ein Riemen altert außerdem und muss irgendwann ersetzt werden.
Direktantrieb und Riemenantrieb im Vergleich
| Direktantrieb | Riemenantrieb | |
|---|---|---|
| Kraftübertragung | Motor direkt unter dem Teller | über einen Gummiriemen |
| Drehmoment | hoch | gering |
| Anlaufzeit | sehr kurz | spürbar länger |
| Verhalten beim Bremsen mit der Hand | Tempo bleibt stabil | Riemen rutscht oder dehnt sich |
| Scratching und Backspins | gut möglich | kaum möglich |
| Verschleißteile | wenige | Riemen |
| Typischer Einsatz | DJ, Rundfunk, viele Hi-Fi-Geräte | Hi-Fi, Einsteiger-Plattenspieler |
Warum DJs Direktantrieb brauchen
Beim Auflegen fasst du die Platte ständig an: Du hältst sie am Cue-Punkt fest, während der Teller unter der Slipmat weiterläuft, lässt sie im richtigen Moment los, bremst leicht zum Angleichen oder schiebst an. Ein Riemenantrieb würde bei jedem Eingriff nachgeben, das Tempo käme ins Schwimmen. Beim Scratching und bei Effekten wie dem Spinback zählt außerdem, dass der Teller sofort wieder auf Tempo ist.
Viele DJ-Plattenspieler lassen sich in Anlauf- und Bremszeit einstellen. Eine lange Bremszeit erzeugt den typischen Effekt, wenn eine Platte langsam ausläuft – das ist die Grundlage des Brake-Übergangs.
Drehmoment
Das Drehmoment beschreibt, mit wie viel Kraft der Motor den Teller antreibt. Hersteller geben es meist in Kilogramm-Zentimeter (kg·cm) oder Newtonmeter an. Ein höherer Wert bedeutet: Der Teller lässt sich schwerer abbremsen und kommt schneller auf Tempo. Manche Geräte haben ein umschaltbares Drehmoment, damit Scratch-DJs den Widerstand ihrem Stil anpassen können. Ein höherer Wert ist nicht automatisch besser – entscheidend ist, wie sich der Teller für dich anfühlt.
Wann reicht ein Riemenantrieb?
Wenn du Platten nur hören, digitalisieren oder zu Hause durchhören willst, ist ein Riemenantrieb kein Nachteil. Für Mixe mit Beatmatching, für DVS und erst recht für Scratching solltest du einen DJ-Plattenspieler mit Direktantrieb wählen. Die aktuellen Modelle findest du in der Übersicht DJ-Plattenspieler.
Kurze Geschichte
Der Direktantrieb wurde Ende der 1960er-Jahre entwickelt. Als erstes Laufwerk dieser Art gilt der Technics SP-10, der 1970 auf den Markt kam und vor allem in Rundfunkstudios eingesetzt wurde – dort zählten konstante Drehzahl und schneller Start. Mit günstigeren Modellen kam das Prinzip in den Hi-Fi-Markt und von dort in die Clubs. DJs merkten, dass der Motor sein Tempo hielt, während sie die Platte mit der Hand bewegten. Darauf bauen Scratching und das Auflegen mit Vinyl bis heute auf.
Häufige Fragen zu Direktantrieb & Riemenantrieb
Was ist der Unterschied zwischen Direktantrieb und Riemenantrieb?
Beim Direktantrieb sitzt der Plattenteller direkt auf der Motorachse, beim Riemenantrieb treibt ein Gummiriemen den Teller von einem seitlich sitzenden Motor aus an. Der Direktantrieb hat mehr Drehmoment und läuft schneller an, der Riemen dämpft dafür Motorvibrationen und ist im Hi-Fi-Bereich verbreitet.
Kann man mit einem Riemenantrieb auflegen?
Eingeschränkt. Einfache Übergänge sind möglich, wenn das Gerät eine Pitch-Regelung hat. Sobald du die Platte festhältst, anschiebst oder scratchst, gibt der Riemen nach und das Tempo schwankt. Für ernsthaftes Auflegen mit Vinyl oder DVS ist ein Plattenspieler mit Direktantrieb die bessere Wahl.
Klingt Riemenantrieb besser als Direktantrieb?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Riemen kann Motorvibrationen vom Teller fernhalten, gute Direktantriebe regeln diese aber ebenfalls sehr gut aus. Für den Klang sind Tonabnehmer, Tonarm, Aufstellung und Phono-Vorverstärker meist wichtiger als die Antriebsart.
Was bedeutet Drehmoment beim Plattenspieler?
Das Drehmoment gibt an, mit wie viel Kraft der Motor den Teller dreht. Ein hohes Drehmoment sorgt dafür, dass der Teller schnell auf Tempo kommt und sich beim Bremsen mit der Hand nicht verlangsamt. Für Scratching und Backspins ist es wichtig, viele Geräte lassen es sogar umschalten.