DJ-Glossar · Sound & Effekte
Kompressor
Auch: Compressor, Kompression, Dynamikkompressor, Sidechain-Kompression, Sidechain
Ein Kompressor verringert den Abstand zwischen leisen und lauten Stellen. Er macht Signale gleichmäßiger und dichter – und sorgt für das Pumpen in EDM.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Ein Kompressor verringert die Dynamik eines Signals, also den Abstand zwischen leisen und lauten Stellen. Sobald der Pegel eine einstellbare Schwelle überschreitet, regelt er ihn in einem festen Verhältnis herunter. Das Ergebnis klingt gleichmäßiger, dichter und lässt sich insgesamt lauter machen. Kompression prägt fast jede moderne Produktion, auch die Tracks, die du auflegst.
Die Parameter
| Parameter | Bedeutung |
|---|---|
| Threshold (Schwelle) | Pegel, ab dem der Kompressor eingreift |
| Ratio (Verhältnis) | wie stark: Bei 4:1 kommt von 4 dB über der Schwelle nur 1 dB durch |
| Attack | wie schnell er nach Überschreiten der Schwelle eingreift |
| Release | wie schnell er danach wieder loslässt |
| Knee | ob der Übergang an der Schwelle hart oder weich verläuft |
| Make-up Gain | hebt das komprimierte Signal wieder an |
Die Kennlinie zeigt das Verhalten: Unterhalb der Schwelle gehen Ein- und Ausgang eins zu eins, oberhalb wird die Linie flacher. Je höher die Ratio, desto flacher. Bei sehr hoher Ratio und kurzer Attack wird aus dem Kompressor ein Limiter.
Attack und Release in der Praxis
Eine langsame Attack lässt den Anfang einer Bassdrum durch, bevor der Kompressor greift – die Kick behält ihren Punch. Eine sehr schnelle Attack bügelt auch den Anschlag weg. Die Release bestimmt, wie der Pegel nach dem Eingriff wieder ansteigt: Passt sie zum Tempo, „atmet“ das Signal mit dem Groove, ist sie zu kurz, kann es flattern.
Sidechain: das Pumpen in der Clubmusik
Bei der Sidechain-Kompression reagiert der Kompressor nicht auf das Signal, das er bearbeitet, sondern auf ein anderes, meist die Bassdrum. Jedes Mal, wenn die Kick schlägt, wird zum Beispiel die Bassline oder die Fläche kurz leiser und kommt danach wieder hoch. So entsteht das rhythmische Pumpen, das viele House-, EDM- und Techno-Tracks prägt, und Kick und Bass kommen sich nicht in die Quere.
Kompressor und DJs
Am DJ-Mixer findest du selten einen Kompressor für die Musikkanäle. Trotzdem betrifft er dich:
- In deinen Tracks: Fast jeder Track ist im Mastering komprimiert und limitiert. Stark komprimierte Tracks wirken bei gleicher Spitzenanzeige lauter als dynamische – ein Grund, warum der Gain nach Gehör nachjustiert werden muss.
- Am Mikrofon: Manche Mixer und Mikrofonkanäle haben einen einfachen Kompressor, der laute und leise Ansagen angleicht. Mehr dazu unter Mikrofon-Eingang.
- Beim Aufnehmen: Ein sanfter Kompressor auf dem Mitschnitt glättet Lautstärkesprünge zwischen Tracks. Zu viel davon nimmt dem Mix die Energie.
- In der Anlage: Systemprozessoren der PA nutzen Kompressoren und Limiter zum Schutz der Lautsprecher.
Dynamik und Lautheit
Kompression macht Musik dichter und lauter, aber zu viel davon nimmt ihr Lebendigkeit. Der Unterschied zwischen ruhigen und lauten Stellen schrumpft, Breakdowns wirken weniger ruhig, Drops weniger groß. Weil Streamingdienste die Lautheit inzwischen angleichen, bringt extreme Kompression dort keinen Lautheitsvorteil mehr, siehe LUFS. Im Club kann ein dynamischer Track mit ordentlichem Gain sogar druckvoller wirken als ein totkomprimierter.
Auch die Frage, wie laut dein Mix klingt, hängt mit Kompression zusammen. Mehr Reserve und weniger Gedränge am oberen Rand bringt das Kapitel Headroom.
Häufige Fragen zu Kompressor
Was macht ein Kompressor?
Ein Kompressor verringert den Abstand zwischen leisen und lauten Stellen eines Signals. Überschreitet der Pegel eine Schwelle, regelt er ihn in einem einstellbaren Verhältnis herunter. Danach kann das ganze Signal angehoben werden. Es klingt gleichmäßiger und dichter. Kompression steckt in fast jeder modernen Musikproduktion.
Was ist Sidechain-Kompression?
Bei Sidechain-Kompression reagiert der Kompressor auf ein anderes Signal als das, das er bearbeitet, meist auf die Bassdrum. Jedes Mal, wenn die Kick schlägt, wird zum Beispiel die Bassline kurz leiser. So entsteht das typische Pumpen in House und EDM, und Kick und Bass überlagern sich weniger.
Brauchen DJs einen Kompressor?
Für die Musikkanäle meist nicht, denn die Tracks sind bereits im Mastering komprimiert. Nützlich ist ein Kompressor am Mikrofon, um laute und leise Ansagen anzugleichen, und manchmal beim Aufnehmen eines Mixes. Wichtiger ist zu wissen, warum stark komprimierte Tracks lauter wirken und einen anderen Gain brauchen.
Was bedeutet eine Ratio von 4:1?
Die Ratio gibt an, wie stark der Kompressor oberhalb der Schwelle eingreift. Bei 4:1 kommt von 4 dB, die das Signal über der Schwelle liegt, nur noch 1 dB am Ausgang an. Bei 2:1 wäre es die Hälfte. Je höher die Ratio, desto stärker wird die Dynamik eingeengt, bei sehr hohen Werten arbeitet der Kompressor wie ein Limiter.