Zum Inhalt springen

DJ-Glossar · Anschlüsse & Beschallung

Audio-Interface (Soundkarte)

Auch: Audio-Interface, Audiointerface, Audio Interface, Soundkarte, externe Soundkarte, DJ-Soundkarte, USB-Soundkarte

Ein Audio-Interface wandelt Audio zwischen Computer und analogen Geräten. DJs brauchen dafür mindestens zwei Stereo-Ausgänge: Master und Vorhören.

von · 7 Min. Lesezeit

LaptopDJ-SoftwareUSBAudio-InterfaceD/A: digital → analogA/D: analog → digitalOut 1/2Out 3/4MasterBoxen oder MixerCueKopfhörerEingängeMikrofon, Line, Timecode
Ein DJ-Interface braucht mindestens zwei Stereo-Ausgänge: einen für den Master, einen fürs Vorhören. (eigene Illustration)

Ein Audio-Interface, oft auch externe Soundkarte genannt, wandelt digitale Audiodaten aus dem Computer in analoge Signale für Boxen und Kopfhörer um – und analoge Signale von Mikrofon, Plattenspieler oder Mixer zurück in digitale. Für DJs ist entscheidend, dass es mindestens zwei getrennte Stereo-Ausgänge hat: einen für den Master, einen fürs Vorhören.

Ausgänge für DJs
mind. 4 (2 × Stereo)
Master + Cue
Anschluss
USB-C oder USB-B
meist mit Strom über USB
Treiber
ASIO / Core Audio
für niedrige Latenz
Auflösung
24 bit, 44,1/48 kHz
reicht fürs Auflegen

Was ein Audio-Interface macht

Im Inneren arbeiten drei Bausteine:

  • D/A-Wandler (digital → analog) für die Ausgänge: Sie machen aus den Zahlen der DJ-Software eine Spannung für Boxen, Mixer und Kopfhörer.
  • A/D-Wandler (analog → digital) für die Eingänge: Sie digitalisieren Mikrofon, Line-Signale oder Timecode – Auflösung und Takt bestimmen Samplerate und Bittiefe.
  • Analoge Stufen: Mikrofonvorverstärker mit Phantomspeisung, Kopfhörerverstärker, Line-Treiber.

Dazu kommt der Treiber, der regelt, wie schnell Audiodaten zwischen Software und Interface fließen. Davon hängt die Latenz ab.

Warum DJs mindestens vier Ausgänge brauchen

Beim Auflegen laufen zwei verschiedene Signale gleichzeitig: der Mix fürs Publikum (Master) und der Track, den du im Kopfhörer vorhörst (Cue). Der eingebaute Kopfhörerausgang eines Laptops ist nur ein Stereo-Ausgang – Master und Cue lassen sich darüber nicht trennen. Als Notlösung gibt es den Split Cue, bei dem Master und Cue als Mono-Signale auf linkem und rechtem Ohr liegen. Für die Anlage taugt das nicht.

Ein DJ-taugliches Interface hat deshalb mindestens vier Line-Ausgänge: 1/2 für den Master, 3/4 für den Kopfhörer oder den zweiten Mixer-Kanal. Laut unseren Katalogdaten haben etwa das Focusrite Scarlett 4i4 (4th Gen) und das MOTU M4 vier Line-Ausgänge. Interfaces mit nur zwei Line-Ausgängen eignen sich nur eingeschränkt, weil der Kopfhörerausgang bei vielen Modellen dasselbe Signal führt wie die Hauptausgänge – das Handbuch klärt, ob er sich getrennt ansteuern lässt.

Brauchst du überhaupt ein separates Interface?

Oft nicht. Die meisten DJ-Controller haben ein Audio-Interface bereits eingebaut, mit Master- und Kopfhörerausgang. Viele Club-Mixer bringen eine mehrkanalige USB-Soundkarte mit, Standalone-Systeme brauchen gar keinen Computer.

SetupSeparates Interface nötig?
Controller mit eingebautem Audionein
Reiner MIDI-Controller ohne Audioja, mit 4 Ausgängen
DVS mit analogem Mixerja, DVS-Interface mit Phono-Eingängen
Club-Mixer mit USB-Soundkartenein
Streamen mit Mikrofon, Aufnehmen, Produzierenhäufig sinnvoll

Reine MIDI-Controller wie der Traktor X1 MK3 steuern nur die Software und geben selbst keinen Ton aus. Für ein DVS mit Plattenspielern an einem analogen Mixer brauchst du ein Interface mit Phono-Eingängen und mehreren Ein- und Ausgängen – das Reloop Flux hat laut Katalog sechs Ein- und sechs Ausgänge sowie Phono-Eingänge.

Internes oder externes Mixing

Mit Interface und Laptop gibt es zwei Arbeitsweisen:

  • Internes Mixing: Die DJ-Software mischt alle Decks selbst und gibt nur das fertige Summensignal auf Ausgang 1/2 aus, das Vorhörsignal auf 3/4. Gesteuert wird per MIDI-Controller. So arbeiten die meisten Controller-Setups.
  • Externes Mixing: Jedes Deck bekommt einen eigenen Stereo-Ausgang – Deck A auf 1/2, Deck B auf 3/4 – und läuft in einen eigenen Kanal eines Hardware-Mixers. Gemischt, gefiltert und vorgehört wird am Mixer. Für zwei Decks brauchst du dann vier Ausgänge, für vier Decks acht. So arbeiten DVS-Setups und DJs, die den Klang und die Haptik eines echten Mixers wollen.

Beim externen Mixing übernimmt der Mixer das Vorhören. Ein separater Cue-Ausgang am Interface ist dann nicht nötig, dafür braucht jedes Deck einen eigenen Ausgang.

Latenz, Puffer und Treiber

Die Software rechnet Audio in kleinen Blöcken, dem Puffer. Je kleiner der Puffer, desto schneller reagiert der Ton auf Jogwheel und Pads – desto mehr muss der Computer aber leisten. Zu klein, und es knackt und setzt aus. Wie Puffergröße und Samplerate die Verzögerung bestimmen, rechnest du hier nach:

256 Samples

Samplerate

5,8 msgut – Jogwheel und Pads fühlen sich direkt an

Rechnung: 256 Samples ÷ 44.100 Samples pro Sekunde. Das ist die Pufferlatenz einer Richtung; Treiber und Wandler addieren je nach Interface noch etwas dazu.

Puffergröße und Samplerate ergeben die Latenz deines Interfaces.

Unter Windows sorgen ASIO-Treiber für niedrige Latenz – siehe ASIO. Am Mac übernimmt das Core Audio, dort laufen die meisten Interfaces ohne eigenen Treiber. Mehr zur Einstellung unter Puffergröße.

Auflösung und Samplerate

Für das Auflegen genügen 24 bit und 44,1 oder 48 kHz. Höhere Samplerates erhöhen vor allem die Rechenlast, ohne dass du im Club einen Unterschied hörst. Wichtig ist, dass Interface und Software dieselbe Samplerate nutzen, sonst muss umgerechnet werden oder es knackt.

Die Wandler aktueller Interfaces arbeiten meist mit 24 bit und bieten damit einen Dynamikumfang weit über dem, was in einem Club hörbar ist. Klanglich entscheidender sind saubere analoge Ausgangsstufen, ein rauscharmer Kopfhörerverstärker und stabile Treiber. Mehr zur Auflösung unter Bittiefe.

Strom über USB

Viele kompakte Interfaces beziehen ihren Strom über das USB-Kabel. Das ist praktisch, setzt aber voraus, dass der USB-Anschluss des Laptops genug Leistung liefert. Mit Phantomspeisung für ein Kondensatormikrofon und lauten Kopfhörern kann es knapp werden; dann hilft ein Modell mit eigenem Netzteil oder ein USB-Anschluss mit höherer Leistungsabgabe.

Interfaces fürs Streamen und Aufnehmen

Wer Mixe aufnimmt oder streamt, profitiert von Interface-Funktionen wie Loopback: Das Interface schickt die Ausgabe der DJ-Software und das Mikrofon gemeinsam als ein Eingangssignal an die Streaming-Software. Mehr dazu unter DJ-Streaming.

Einrichten: Schritt für Schritt

  1. Treiber installieren, falls der Hersteller einen anbietet – unter Windows meist ein ASIO-Treiber.
  2. Interface anschließen, direkt am Laptop statt am USB-Hub.
  3. In der DJ-Software auswählen: In den Audio-Einstellungen das Interface als Audiogerät wählen.
  4. Ausgänge zuweisen: Master auf 1/2, Kopfhörer bzw. Cue auf 3/4 (internes Mixing) oder Deck A auf 1/2 und Deck B auf 3/4 (externes Mixing).
  5. Samplerate und Puffer einstellen: 44,1 oder 48 kHz, Puffer so klein, wie es ohne Knackser geht.
  6. Testen: Track starten, vorhören und prüfen, ob Boxen und Kopfhörer jeweils das Richtige spielen.

Worauf du beim Kauf achten solltest

  1. Mindestens vier Line-Ausgänge, wenn du per Laptop mit MIDI-Controller oder Mixer arbeitest.
  2. Symmetrische Ausgänge (TRS-Klinke) für Monitore und PA.
  3. Kopfhörerausgang mit eigenem Regler und genug Leistung für DJ-Kopfhörer.
  4. Stabile Treiber für dein Betriebssystem und deine DJ-Software.
  5. Mikrofoneingang mit Phantomspeisung, falls du streamst oder produzierst.
  6. Phono-Eingänge, falls du DVS nutzen willst.

In der Übersicht Audio-Interfaces kannst du Modelle vergleichen, der Audio-Interface-Finder filtert nach Ausgängen, Eingängen und Budget.

Typische Fehler

  • Falsches Routing in der Software: Master liegt auf 3/4, Cue auf 1/2 – und das Publikum hört den Vorhör-Track. Vor dem ersten Gig das Audio-Setup prüfen.
  • USB-Hub mit vielen Geräten: führt zu Aussetzern. Interface direkt am Laptop anschließen.
  • Laptop am Netzteil brummt: typischer Fall einer Brummschleife.

Häufige Fragen zu Audio-Interface (Soundkarte)

Braucht man als DJ ein Audio-Interface?

Nur wenn dein Setup keines eingebaut hat. Die meisten DJ-Controller und viele Club-Mixer haben eine Soundkarte an Bord. Ein separates Interface brauchst du für reine MIDI-Controller ohne Audioausgang, für DVS mit einem analogen Mixer oder wenn du streamen, aufnehmen oder produzieren willst.

Wie viele Ausgänge braucht ein DJ-Interface?

Mindestens vier Line-Ausgänge, also zwei Stereopaare. Eines führt den Master zu Boxen oder Mixer, das andere das Vorhörsignal zum Kopfhörer. Bei nur zwei Ausgängen bleibt dir lediglich der Split-Cue-Modus, bei dem Master und Cue als Mono-Signal auf je einem Ohr liegen.

Kann ich mit dem Kopfhörerausgang des Laptops auflegen?

Nur eingeschränkt. Der Laptop hat einen einzigen Stereo-Ausgang, über den du entweder den Master oder das Vorhörsignal ausgeben kannst. Mit Split Cue geht beides gleichzeitig in Mono, das reicht zum Üben. Für Boxen und Kopfhörer getrennt brauchst du einen Controller mit Soundkarte oder ein Interface.

Welche Latenz ist für DJs in Ordnung?

Ein paar Millisekunden sind unproblematisch. Bei rund zehn Millisekunden und weniger fühlen sich Jogwheel und Pads direkt an. Die Latenz hängt von Puffergröße, Samplerate und Treiber ab. Stell den Puffer so klein ein, wie dein Computer es ohne Knackser schafft.

Was ist der Unterschied zwischen Audio-Interface und Soundkarte?

Gemeint ist im Prinzip dasselbe: ein Gerät, das Audio zwischen Computer und analogen Anschlüssen wandelt. Soundkarte meint ursprünglich eine Steckkarte im PC, Audio-Interface eher ein externes Gerät mit professionellen Anschlüssen wie XLR, symmetrischen Ausgängen und Mikrofonvorverstärkern.

Welches Audio-Interface brauche ich für DVS?

Ein DVS-Interface muss von deiner DJ-Software unterstützt werden, Phono-Eingänge für die Timecode-Plattenspieler und genug Ausgänge für jedes Deck in einen eigenen Mixerkanal haben. Viele DVS-Setups nutzen statt eines separaten Interfaces einen Mixer mit eingebauter, für DVS freigegebener Soundkarte.

Was ist Loopback bei einem Audio-Interface?

Loopback schickt das, was der Computer ausgibt, als zusätzlichen Eingang zurück in den Computer. So kann eine Streaming- oder Aufnahme-Software die Musik aus der DJ-Software und dein Mikrofon gemeinsam aufnehmen, ohne zusätzliche Kabel oder virtuelle Audiotreiber.

Kann ich ein Audio-Interface mit einem DJ-Controller kombinieren?

Ja, wenn die DJ-Software das erlaubt. Typisch ist das bei Controllern ohne eigene Soundkarte oder wenn du ein besseres Interface für Mikrofon und Stream nutzen willst. Die meisten DJ-Programme können aber nur ein Audiogerät gleichzeitig nutzen. Dann laufen Master und Cue komplett über das Interface, und die Soundkarte des Controllers bleibt ungenutzt.

Das hängt damit zusammen

Mehr aus Anschlüsse & Beschallung