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DJ-Glossar · Sound & Effekte

Filter

Auch: Filter-Effekt, DJ-Filter, Hochpassfilter, Tiefpassfilter, Low-Pass-Filter, High-Pass-Filter, LPF, HPF, Filterfahrt

Ein Filter lässt nur Frequenzen unter- oder oberhalb einer Grenzfrequenz durch. Am DJ-Mixer blendest du damit Tracks hörbar ein und aus.

von · 7 Min. Lesezeit

Tiefpass (LPF)0 dB−12−24−36201001k10kHöhen weg · klingt dumpfHochpass (HPF)0 dB−12−24−36201001k10kBässe weg · klingt dünnFilterMitte: auslinks: LPFrechts: HPFGestrichelt: Grenzfrequenz, die beim Drehen wandert
Ein bipolarer DJ-Filter ist links ein Tiefpass und rechts ein Hochpass, in der Mitte ist er aus. (eigene Illustration)

Ein Filter lässt nur einen Teil des Frequenzspektrums passieren und blendet den Rest aus. Am DJ-Mixer ist er meist ein einziger Drehregler pro Kanal: Nach links wirkt er als Tiefpass und nimmt die Höhen weg, nach rechts als Hochpass und nimmt die Bässe weg. In der Mitte ist er aus. Filterfahrten gehören zu den bekanntesten Klangeffekten elektronischer Musik.

Tiefpass, Hochpass und Bandpass

Jedes Filter hat eine Grenzfrequenz (englisch Cutoff). Was auf der durchgelassenen Seite liegt, bleibt unverändert, was auf der anderen Seite liegt, wird zunehmend leiser. Der Filterregler verschiebt diese Grenzfrequenz.

FiltertypLässt durchKlingt wieAm DJ-Regler
Tiefpass (Low-Pass, LPF)tiefe Frequenzendumpf, „durch die Wand“, unter Wassernach links drehen
Hochpass (High-Pass, HPF)hohe Frequenzendünn, blechern, wie aus dem Telefonnach rechts drehen
Bandpass (BPF)einen mittleren Bereichnasal, wie aus einem Radioals eigener Effekt in vielen FX-Sektionen

Der Bandpass ist eine Kombination aus Hoch- und Tiefpass. Er taucht am Kanalfilter selten auf, aber in den Effekt-Sektionen von Mixern und DJ-Software. Als Gegenstück gibt es das Kerbfilter (Notch), das einen schmalen Bereich herausschneidet – die Grundlage des Phasers.

So funktioniert der Filterregler am DJ-Mixer

Fast alle DJ-Filter sind bipolar: Ein Regler steuert beide Richtungen. In der Mittelstellung ist das Filter ganz geöffnet und der Klang unverändert, oft mit einer kleinen toten Zone, damit der Kanal nicht versehentlich gefiltert wird. Je weiter du nach außen drehst, desto weiter wandert die Grenzfrequenz in den hörbaren Bereich und desto mehr verschwindet.

Flankensteilheit

Wie stark ein Filter jenseits der Grenzfrequenz absenkt, beschreibt die Flankensteilheit in dB pro Oktave. Ein flaches Filter (etwa 12 dB pro Oktave) klingt weich und lässt noch viel durch, ein steiles (etwa 24 dB pro Oktave) schneidet deutlich und klingt „analoger“ und dramatischer. Hersteller stimmen ihre Filter unterschiedlich ab, deshalb klingen Filterfahrten auf verschiedenen Mixern spürbar anders.

Resonanz

Viele Filter heben den Bereich direkt an der Grenzfrequenz zusätzlich an. Diese Resonanz macht Filterfahrten hörbarer: Es entsteht ein singender, pfeifender Ton, der mit der Grenzfrequenz mitwandert. An manchen Mixern ist die Resonanz fest eingestellt, an anderen und in DJ-Software gibt es einen eigenen Regler.

Nach links dreht der Low-Pass die Höhen weg, nach rechts der High-Pass den Bass. In der Mitte ist der Filter aus.

Low-Pass 1200 Hz
35 %
124 BPM
Dreh den Filter nach links und rechts und erhöhe die Resonanz – so klingen Tief- und Hochpass.

Warum der Regelweg nicht gleichmäßig klingt

Das Gehör nimmt Tonhöhen logarithmisch wahr: Der Schritt von 100 auf 200 Hz klingt genauso groß wie der von 5.000 auf 10.000 Hz. Gute DJ-Filter verteilen die Grenzfrequenz deshalb logarithmisch über den Regelweg. Trotzdem passiert beim Hochpass in den ersten Millimetern hörbar wenig, weil dort nur der tiefste Bass verschwindet, den du im Kopfhörer kaum hörst. Auf der Anlage merkt der Floor es sofort. Beim Tiefpass ist es umgekehrt: Die ersten Millimeter nehmen nur die obersten Höhen, erst gegen Ende wird der Track richtig dumpf. Plane eine Filterfahrt daher so, dass der hörbar wichtige Teil des Regelwegs auf die zweite Hälfte der Phrase fällt.

Filter oder EQ?

Beide verändern das Frequenzbild, aber sie haben unterschiedliche Aufgaben. Der EQ regelt drei oder vier feste Bänder unabhängig voneinander: ideal, um gezielt den Bass zu tauschen und den Rest unangetastet zu lassen. Der Filter hat eine bewegliche Grenze und wirkt mit einem Regler auf alles oberhalb oder unterhalb. Er ist hörbarer und eignet sich für Effekte, für Spannungsbögen und zum Ein- und Ausblenden ganzer Tracks. Ein EQ-Übergang fällt dem Publikum im besten Fall kaum auf, eine Filterfahrt soll man hören.

Filter im Mix: typische Einsätze

  • Filter-Übergang: Der neue Track startet mit Hochpass, also ohne Bass, und öffnet sich über acht oder 16 Takte. Der alte Track geht gleichzeitig mit Tiefpass oder Hochpass hinaus. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung steht beim Filter-Übergang.
  • Spannung aufbauen: Ein langsam zugedrehter Hochpass im Build-up nimmt dem Track den Boden. Auf der Eins des Drops öffnest du ihn schlagartig – der Bass kommt mit voller Wucht zurück.
  • Breakdown verträumter machen: Ein leichter Tiefpass auf einem ruhigen Teil lässt ihn weiter weg klingen.
  • Track ausblenden: Statt den Kanalfader herunterzuziehen, schiebst du den alten Track mit dem Filter aus dem Mix. Das klingt organischer als ein reines Ausblenden.
  • Mit Effekten kombinieren: Ein Echo auf dem gefilterten Signal oder ein Hochpass auf einer Hallfahne sorgt dafür, dass der Effekt-Nachklang nicht im Bass matscht.

Takt 1 von 16 · Schlag 1 · 132.0 BPM

Deck A · Techno

Hauptteil Kick · Drums · Bass · Melodie

Outro Kick · Drums · Bass

Deck B · Techno (zweiter Track)

Intro Kick · Drums

Hauptteil Kick · Drums · Bass · Melodie

Lautstärke (Kanalfader)

Filteroben Hochpass, unten Tiefpass

Deck A Deck B EffekteWellenform: Original-Wellenform des Tracks, unabhängig von Fader, EQ und Effekten, kräftige Farbe = Bass · Gestrichelte Blöcke: Teil des Tracks ohne alle Spuren · Klick in die Zeitleiste springt dorthin

Mixer bei Takt 1

Deck A

Techno

132.0 BPM · Hauptteil

High
Mid
Low
Filter
Fader
EchoHall

Deck B

Techno

132.0 BPM · bereit (Cue)

High
Mid
Low
Filter
Fader
EchoHall

Schritt für Schritt

Klangbeispiele aus selbst synthetisierten Loops, ohne Samples. Echte Tracks haben mehr Details. Den Bass-Tausch hörst du am besten mit Kopfhörern oder Boxen mit Tiefgang.

Der Filter-Übergang im Übergangslabor: Der neue Track öffnet sich, der alte verschwindet.

Filter in der Musik, die du spielst

Filterfahrten sind nicht nur ein DJ-Werkzeug, sondern ein Grundbaustein elektronischer Musik. Produzenten öffnen und schließen Filter auf Synthesizern, Loops und ganzen Spuren, um Spannung zu erzeugen. Besonders House hat Filterfahrten über gesampelte Disco-Loops zum Markenzeichen gemacht. Für dich heißt das: Viele Tracks bringen ihre eigenen Filterbewegungen schon mit. Hör dir an, wo ein Track selbst filtert, bevor du mit dem Kanalfilter dazwischengehst – zwei gleichzeitige Fahrten in entgegengesetzte Richtungen klingen schnell unentschlossen.

Filter als Color-FX

Bei vielen Mixern ist der Filter einer von mehreren Effekten, die über denselben Regler pro Kanal laufen. Diese Bauart heißt Color-FX: Du wählst mit einer Taste, ob der Regler als Filter, Noise, Echo oder Crush arbeitet. Andere Mixer haben einen eigenen Filterregler pro Kanal und zusätzlich eine Effekt-Sektion.

Typische Fehler

  • Filter vergessen: Der Regler steht nach dem Übergang noch leicht neben der Mitte. Der Track klingt dünn oder dumpf, und niemand weiß, warum. Nach jeder Fahrt zurück auf die Mitte.
  • Zu viel, zu oft: Jede Filterfahrt nutzt sich ab. Wer jeden Übergang filtert, raubt dem Effekt seine Wirkung.
  • Zu schnell gedreht: Eine Filterfahrt über zwei Beats klingt nach Unfall, über acht oder 16 Takte nach Absicht. Plane sie entlang der Phrase.
  • Resonanz am Anschlag: Hohe Resonanz auf einer großen Anlage pfeift unangenehm und kann sehr laut werden.
  • Zwei Filter, zwei Richtungen ohne Plan: Beide Tracks gleichzeitig zu filtern, ohne dass ein Track den Bass führt, hinterlässt ein dünnes Loch im Mix.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Für Einsteiger: Der Filter ist der einfachste Effekt zum Einstieg, weil er nur einen Regler hat und kaum schiefgehen kann. Übe zuerst das Ausblenden eines Tracks mit dem Hochpass über acht Takte, dann den kompletten Filter-Übergang. Zähl dabei die Takte mit, damit die Fahrt genau mit der Phrase endet und nicht irgendwo mittendrin.

Für Fortgeschrittene: Kombiniere Filter und EQ: Bass per EQ tauschen, Mitten und Höhen per Filter einblenden. Oder setze den Filter rhythmisch ein, indem du ihn auf jedem vierten Takt kurz öffnest. Interessant ist auch der Unterschied zwischen den Mixern: Wer viel filtert, sollte vor dem Kauf eines DJ-Mixers testen, wie dessen Filter klingt.

Welche Geräte einen Filter haben

Ein Kanalfilter oder ein Filter als Color-FX steckt in fast allen aktuellen DJ-Controllern, Clubmixern und Standalone-Systemen. Bei einfachen Controllern steuert der Regler den Filter der DJ-Software. Zusätzliche Filter mit Resonanz, Bandpass und rhythmischer Modulation bieten die Effekt-Sektionen der Mixer und externe Effektgeräte.

Häufige Fragen zu Filter

Was macht der Filter am DJ-Mixer?

Der Filter blendet je nach Drehrichtung Höhen oder Bässe aus. Nach links wirkt er meist als Tiefpass und lässt nur noch tiefe Töne durch, nach rechts als Hochpass und lässt nur hohe Töne durch. In der Mitte ist er aus. DJs nutzen ihn für hörbare Filterfahrten, Spannungsaufbau und zum Ein- und Ausblenden von Tracks.

Was ist der Unterschied zwischen Hochpass und Tiefpass?

Ein Hochpass lässt hohe Frequenzen passieren und entfernt die tiefen, der Track klingt dünn und ohne Bass. Ein Tiefpass macht es umgekehrt, er lässt die tiefen Frequenzen durch und nimmt die Höhen weg, der Track klingt dumpf wie durch eine Wand. Am DJ-Mixer liegen beide meist auf einem Regler.

Filter oder EQ: Was ist besser für Übergänge?

Beides hat seinen Platz. Mit dem EQ tauschst du gezielt den Bass, ohne dass das Publikum viel davon merkt. Der Filter wirkt auf alles oberhalb oder unterhalb einer Grenze und ist deutlich hörbar, er eignet sich für Effektübergänge und Spannungsbögen. Viele DJs kombinieren beides, etwa Bass per EQ tauschen und Höhen per Filter einblenden.

Was bedeutet Resonanz beim Filter?

Resonanz hebt den Bereich direkt an der Grenzfrequenz zusätzlich an. Dadurch entsteht ein singender, pfeifender Ton, der mit der Filterfahrt mitwandert und sie hörbarer macht. Zu viel Resonanz klingt auf einer großen Anlage schnell schrill und kann unerwartet laut werden.

Warum klingt mein Track nach dem Übergang dünn oder dumpf?

Meist steht der Filterregler noch nicht exakt in der Mitte. Schon eine kleine Abweichung nimmt beim Hochpass den tiefen Bass oder beim Tiefpass die oberen Höhen weg, was im Kopfhörer kaum auffällt, auf der Anlage aber deutlich. Gewöhn dir an, nach jeder Filterfahrt den Regler bewusst in die Mittelrastung zu drehen.

Was ist ein bipolarer Filter?

Ein bipolarer Filter vereint Tiefpass und Hochpass auf einem einzigen Drehregler. In der Mittelstellung ist er aus, nach links filtert er die Höhen weg, nach rechts die Bässe. Diese Bauweise ist an DJ-Mixern und Controllern Standard, weil du mit einer Hand beide Richtungen steuerst.

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