DJ-Glossar · Hardware & Setup
Kanalzug
Auch: Kanalzüge, Channel Strip, Kanalstreifen, Mixer-Kanal
Der Kanalzug ist der senkrechte Reglerstreifen eines Mixer-Kanals: Eingangswahl, Gain, EQ, Filter, Cue und Kanalfader in der Reihenfolge des Signals.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Der Kanalzug ist der senkrechte Streifen von Reglern, der zu einem Kanal eines DJ-Mixers oder Controllers gehört. Von oben nach unten durchläuft das Signal Eingangswahl, Gain, EQ, Filter und Kanalfader, bevor es auf Crossfader und Master geht. Jeder Kanal hat einen eigenen Kanalzug, ein Vier-Kanal-Mixer also vier nebeneinander.
Der Signalweg durch den Kanalzug
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Sie folgt dem Weg des Signals durch die Schaltung:
- Eingangswahl: Ein Schalter bestimmt die Quelle, etwa Phono, Line, USB oder Digital. Plattenspieler brauchen Phono, Player und Interfaces Line.
- Gain (Trim): passt den Eingangspegel an, damit alle Kanäle ähnlich laut sind.
- EQ: drei, manchmal vier Bänder für Bässe, Mitten und Höhen.
- Filter oder Color-FX: ein Regler für Hoch- und Tiefpassfilter oder andere Klangeffekte.
- Cue-Taste: greift das Signal ab und schickt es auf den Kopfhörer.
- Pegelanzeige: zeigt den Pegel nach Gain und EQ.
- Kanalfader: bestimmt die Lautstärke im Mix.
- Crossfader-Zuweisung: legt die Seite am Crossfader fest.
Danach werden alle Kanäle in der Summe zusammengeführt und gehen über Master und Booth an die Anlage. Bei manchen Mixern weicht die Reihenfolge leicht ab, etwa wenn der Filter vor dem EQ sitzt. Die Grundlogik bleibt gleich.
Track
Gut eingepegelt: Spitzen mit Reserve unter 0 dBFS.
Headroom am Master: 5,8 dB. Die Werte sind Spitzenpegel in dBFS, wie in DJ-Software: 0 dBFS ist das digitale Maximum.
Pre-Fader und Post-Fader
Ein wichtiges Detail: Die Cue-Taste greift das Signal vor dem Kanalfader ab, also „pre-fader“. Deshalb hörst du einen Track im Kopfhörer, auch wenn sein Fader unten ist. Genau so funktioniert das Vorhören. Auch die Pegelanzeige eines Kanals zeigt bei den meisten Mixern den Pegel vor dem Fader – sie schlägt aus, obwohl der Kanal noch nicht im Mix ist.
Effekt-Sends können dagegen vor oder nach dem Fader liegen. Liegt ein Echo-Send nach dem Fader, verschwindet auch das Echo, wenn du den Kanal herunterziehst. Liegt er davor, klingt es nach.
Warum die Reihenfolge wichtig ist
- Gain zuerst: Der Gain bestimmt, mit welchem Pegel EQ und Filter arbeiten. Stimmt er nicht, verzerrt der EQ oder hat zu wenig Signal. Das ist der Kern von Gain Staging.
- EQ vor dem Fader: Du kannst einen Track im Kopfhörer schon mit abgesenktem Bass vorbereiten, bevor du ihn einblendest.
- Fader zuletzt: Er regelt nur noch, wie viel vom fertig bearbeiteten Signal in den Mix geht.
Unterschiede zwischen Mixern
Nicht jeder Kanalzug ist gleich ausgestattet. Club-Mixer haben oft zusätzlich eine Taste, die den Kanal auf einen Beat-Effekt schickt, und eine eigene Pegelanzeige pro Kanal. Rotary-Mixer ersetzen den Kanalfader durch einen Drehregler. Battle-Mixer verzichten oft auf einen Teil des EQs, um Platz für die Hände zu schaffen. Bei manchen Mixern lässt sich die Charakteristik des EQs umschalten, zum Beispiel zwischen einem klassischen EQ, der nur absenkt, und einem Isolator, der Bänder komplett wegschneidet. Mikrofonkanäle haben oft einen vereinfachten Kanalzug mit eigenem EQ und An/Aus-Taste statt Fader.
Kanalzug am Controller
Ein DJ-Controller hat ebenfalls Kanalzüge, die aber meist Software-Regler steuern. Die Reihenfolge ist dieselbe, die Signalbearbeitung passiert im Rechner. Zusätzlich haben viele Controller pro Kanal Tasten für die Deck-Zuordnung oder eine Eingangswahl für externe Quellen.
Typische Fehler
- Falsche Eingangswahl: Kanal steht auf USB, der Player hängt an Line – der Kanal bleibt stumm.
- Gain zu hoch, Fader halb unten: Die Kanalanzeige ist rot, obwohl es im Mix nicht laut klingt. Gain runter, Fader hoch.
- EQ-Boost statt Gain: Bässe aufzudrehen, um einen leisen Track lauter zu machen, verfärbt den Klang und kann übersteuern.
- Filter vergessen: Ein halb aufgedrehter Filter lässt den Track dünn klingen, und man sucht den Fehler im EQ.
Mixer mit unterschiedlich ausgestatteten Kanalzügen findest du in der Übersicht DJ-Mixer.
Häufige Fragen zu Kanalzug
Was ist ein Kanalzug?
Ein Kanalzug ist die senkrechte Reihe von Reglern, die zu einem Kanal eines Mixers gehört. Beim DJ-Mixer sind das meist Eingangswahl, Gain, EQ, Filter, Cue-Taste, Pegelanzeige und Kanalfader. Das Signal durchläuft sie von oben nach unten, bevor es mit den anderen Kanälen gemischt wird.
In welcher Reihenfolge stelle ich einen Kanal ein?
Zuerst die richtige Quelle wählen, dann den Gain so einstellen, dass die Pegelanzeige im oberen grünen Bereich steht. Danach EQ und Filter nach Bedarf. Den Kanalfader schiebst du erst beim Einblenden hoch. Mit der Cue-Taste kontrollierst du alles vorher im Kopfhörer.
Was bedeutet pre-fader beim Vorhören?
Pre-fader heißt, dass das Signal vor dem Kanalfader abgegriffen wird. Die Cue-Taste am DJ-Mixer arbeitet so: Du hörst einen Kanal im Kopfhörer, auch wenn sein Fader ganz unten steht. Nur so kannst du den nächsten Track vorbereiten, ohne dass das Publikum ihn hört.
Warum zeigt die Pegelanzeige etwas an, obwohl der Fader unten ist?
Bei den meisten DJ-Mixern misst die Kanalanzeige das Signal vor dem Kanalfader. So kannst du den Gain des nächsten Tracks einstellen, bevor er zu hören ist. Erst die Master-Anzeige zeigt, was tatsächlich im Mix ankommt. Das ist kein Fehler, sondern hilft beim Einpegeln.