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DJ-Glossar · Performance & Scratching

Key Lock (Master Tempo)

Auch: Key Lock, Keylock, Master Tempo, Tonhöhenkorrektur, Key-Lock-Funktion

Key Lock, bei manchen Herstellern Master Tempo, hält die Tonart eines Tracks konstant, während du mit dem Pitch-Fader sein Tempo änderst.

von · 7 Min. Lesezeit

Key Lock aus−8 %0+8 %Stellung Pitch-FaderTonart wandert mitKey Lock an−8 %0+8 %Stellung Pitch-FaderTonart bleibt gleichTempoTonhöhe
Mit Key Lock ändert der Pitch-Fader nur noch das Tempo, die Tonhöhe bleibt gleich. (eigene Illustration)

Key Lock – bei manchen Herstellern Master Tempo genannt – ist eine Funktion von DJ-Software und Club-Playern, die die Tonhöhe eines Tracks konstant hält, während du mit dem Pitch-Fader sein Tempo änderst. Ohne Key Lock klingt ein schneller gespielter Track höher, ein langsamerer tiefer. Mit Key Lock bleibt die Tonart gleich, nur das Tempo ändert sich.

Für DJs ist das mehr als Komfort: Ohne Key Lock würde jeder Tempoangleich die Tonart verschieben – und damit auch, ob zwei Tracks harmonisch zusammenpassen.

Warum Tempo und Tonhöhe zusammenhängen

Bei einer Schallplatte ist es offensichtlich: Dreht sie schneller, läuft die Nadel schneller durch die Rille, und alle Schwingungen werden schneller abgespielt – höhere Frequenzen, also höhere Töne. Digitale Player verhalten sich ohne Key Lock genauso, weil sie die Samples einfach schneller oder langsamer auslesen.

Die Faustregel: Rund 6 Prozent mehr Tempo heben den Track um einen Halbton. Genau sind es 5,95 Prozent, weil ein Halbton einem Frequenzverhältnis von 2^(1/12) entspricht.

Pitch-ÄnderungTonhöhe ohne Key Lock
+1 %etwa +0,17 Halbtöne
+2 %etwa +0,34 Halbtöne
+3 %etwa +0,51 Halbtöne
+6 %etwa +1,0 Halbton
+8 %etwa +1,3 Halbtöne
+16 %etwa +2,6 Halbtöne

Schon bei drei Prozent liegt der Track also einen Viertel- bis halben Ton daneben. Das klingt nicht falsch, wenn er allein läuft – aber zusammen mit einem anderen Track kann es schief klingen. Was der Pitch-Fader genau macht, erklärt der Eintrag Pitch.

So funktioniert Key Lock

Key Lock nutzt ein Verfahren namens Time-Stretching: Die Software zerlegt das Audiosignal in sehr kurze Stücke und setzt sie so neu zusammen, dass der Track länger oder kürzer wird, ohne dass sich die Frequenzen ändern. Moderne Algorithmen analysieren dabei Transienten (Anschläge von Drums) und tonale Anteile getrennt, damit Kicks knackig und Flächen sauber bleiben.

Das kostet Rechenleistung und ist nie völlig verlustfrei. Bei kleinen Tempoänderungen hörst du praktisch nichts, bei großen können Artefakte entstehen:

  • Verwaschene Transienten: Kicks und Snares verlieren an Punch.
  • „Phasige“ oder metallische Flächen: Lange, gehaltene Töne wie Pads oder Streicher klingen leicht flatternd.
  • Unnatürliche Stimmen: Gesang wirkt bei starken Änderungen gepresst oder hallig.

Wie stark das auffällt, hängt von Software, Algorithmus, Material und Anlage ab. Faustregel aus der Praxis: Je weiter du vom Originaltempo weggehst, desto eher hörst du es – vor allem bei Vocals und ruhigen Passagen.

Wann Key Lock an, wann aus?

Stärken

  • Tonart bleibt beim Tempoangleichen erhalten
  • Harmonic Mixing funktioniert auch bei abweichenden BPM
  • Vocals klingen nicht nach Micky Maus oder Zeitlupe
  • Tempoübergänge über mehrere BPM bleiben musikalisch

Schwächen

  • Bei großen Tempoänderungen hörbare Artefakte
  • Scratches und Spinbacks klingen unnatürlich
  • Etwas mehr Rechenlast für Laptop oder Player
  • Nicht der „echte“ Vinyl-Klang beim Pitchen

Typische Praxis:

  • An für elektronische Club-Sets, in denen du Tracks um ein paar Prozent angleichst und harmonisch mixen willst.
  • An bei Open-Format-Sets mit großen Tempo-Unterschieden, damit Vocals natürlich bleiben – hier ist aber auch der Tempo-Übergang ein Thema, weil große Sprünge auch mit Key Lock unnatürlich klingen.
  • Aus beim Scratching: Ein Scratch ist ein extremes, ständiges Tempo-Ändern. Mit Key Lock klingt er nach digitalem Zerhacken statt nach Platte.
  • Aus, wenn du den Klang einer Platte bewusst willst, etwa beim langsamen Hochpitchen eines Tracks als Effekt.

Viele Club-Player und Programme schalten Key Lock beim Scratchen am Jogwheel automatisch kurz ab. Prüf das an deinem Setup, gerade wenn du mit DVS arbeitest.

Key Lock und Harmonic Mixing

Beim Harmonic Mixing kombinierst du Tracks, deren Tonarten zueinander passen. Die Software zeigt dir die Tonart nach der Analyse an – aber nur mit Key Lock bleibt diese Angabe gültig, wenn du das Tempo änderst. Ohne Key Lock verschiebt schon ein Pitch von etwa 6 Prozent die Tonart um einen Halbton, und aus einem passenden Paar wird ein unpassendes.

+6,0 %

Klingt jetzt wie

3A b-Moll

1,01 Halbtöne.

Passt harmonisch zu 3A

  • 3Agleiche Tonart
  • 4Aeine Stufe weiter, mehr Energie
  • 2Aeine Stufe zurück, ruhiger
  • 3BWechsel nach Dur

Mit Key Lock (Master Tempo) bleibt die Tonart beim Pitchen gleich; ohne verschieben rund 6 % Tempo die Tonhöhe um etwa einen Halbton.

Ohne Key Lock: Wie weit verschiebt dein Pitch die Tonart?

Umgekehrt kannst du die Tonart auch absichtlich ändern: Mit Key Shift verschiebst du die Tonhöhe in Halbtonschritten, ohne das Tempo zu ändern – das Gegenstück zu Key Lock. Damit passt du einen Track an den nächsten an, um auf dem Camelot Wheel in eine kompatible Tonart zu kommen. Ausführlich erklärt das der Ratgeber Harmonic Mixing mit Camelot.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis

Angenommen, der laufende Track hat 126 BPM und steht in a-Moll (Camelot 8A). Der nächste Track hat 122 BPM und steht ebenfalls in a-Moll – eigentlich ein perfektes Paar. Um ihn auf 126 BPM zu bringen, schiebst du seinen Pitch-Fader auf etwa +3,3 Prozent.

  • Ohne Key Lock steigt seine Tonhöhe dabei um gut einen halben Halbton. Er liegt jetzt irgendwo zwischen a-Moll und b-Moll (3A) – weder das eine noch das andere. Im Blend klingen Bass und Melodien leicht schief gegeneinander.
  • Mit Key Lock bleibt er in a-Moll. Beide Tracks passen tonal zusammen, und du kannst lange überblenden.

Bei einem Unterschied von 1 oder 2 BPM fällt der Effekt deutlich weniger auf, bei 5 oder mehr BPM ist er kaum zu überhören. Wie sich Pitch-Prozente in BPM umrechnen, erklärt der Pitch-Eintrag mit eigenem Rechner.

Key Lock und Sync

Sync gleicht das Tempo automatisch an – technisch passiert dabei dasselbe wie beim manuellen Schieben des Pitch-Faders. Auch mit Sync ändert sich die Tonhöhe also, wenn Key Lock aus ist. Viele DJs, die mit Sync arbeiten, lassen Key Lock deshalb dauerhaft eingeschaltet.

Vom Plattenspieler zum Key Lock

Auf Vinyl gibt es kein Key Lock: Tempo und Tonhöhe hängen physikalisch zusammen. Erst digitale Player konnten beides trennen, weil sie das Audiosignal in Echtzeit berechnen. Frühe Algorithmen klangen bei größeren Änderungen hörbar künstlich, weshalb viele DJs die Funktion lange mieden. Heute ist Key Lock so ausgereift, dass sie bei üblichen Tempoänderungen im Club kaum jemandem auffällt.

Bezeichnungen bei verschiedenen Systemen

Die Funktion ist überall gleich, nur der Name variiert:

BezeichnungWo du sie findest
Key Lock oder Keylockin vielen DJ-Programmen und auf Controllern
Master Tempoauf vielen Club-Playern und in der zugehörigen Software
Key Lock plus Key Shift / Key Syncwenn die Software Tonarten zusätzlich verschieben oder angleichen kann

Auf Controllern liegt Key Lock oft auf einer eigenen Taste neben dem Pitch-Fader oder auf Shift plus Sync.

Typische Fehler

  • Key Lock aus und harmonisch mixen: Du verlässt dich auf die angezeigte Tonart, hast den Track aber um 5 Prozent gepitcht – und wunderst dich über schiefe Harmonien.
  • Riesige Tempo-Sprünge mit Key Lock „retten“: Ein Track 15 Prozent schneller klingt auch mit Key Lock nicht mehr gut. Besser einen passenden Track wählen oder einen Übergang ohne langen Blend.
  • Key Lock beim Scratchen an: Klingt nach Glitch statt Scratch.
  • Unterschiedliche Einstellungen an den Decks: Achte darauf, dass Key Lock auf allen Decks gleich eingestellt ist, damit du nicht überrascht wirst.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Einsteiger lassen Key Lock eingeschaltet und halten ihre Tempoänderungen klein – so klingt alles natürlich, und das Beatmatching fällt leichter, weil die Tracks auch tonal zusammenpassen.

Fortgeschrittene setzen Key Lock bewusst: an für harmonische Blends, aus für Scratches und Vinyl-Effekte, und kombinieren es mit Key Shift, um Tonarten gezielt anzupassen. Die BPM und Tonart deiner Tracks kannst du vorab mit der Track-Analyse prüfen.

Häufige Fragen zu Key Lock (Master Tempo)

Was ist Key Lock beim DJing?

Key Lock ist eine Funktion, die die Tonhöhe eines Tracks konstant hält, während du mit dem Pitch-Fader das Tempo änderst. Ohne Key Lock wird ein schneller gespielter Track höher und ein langsamerer tiefer. Bei manchen Club-Playern heißt die Funktion Master Tempo.

Was ist der Unterschied zwischen Key Lock und Master Tempo?

Es gibt keinen funktionalen Unterschied. Master Tempo ist der Name, den einige Hersteller von Club-Playern und ihre Software verwenden, Key Lock oder Keylock heißt dieselbe Funktion in den meisten anderen DJ-Programmen. Beide halten die Tonart beim Ändern des Tempos konstant.

Sollte ich Key Lock immer anlassen?

Für normale Club-Sets mit kleinen Tempoänderungen ist Key Lock meist sinnvoll, vor allem beim harmonischen Mixen. Ausschalten solltest du es beim Scratching und wenn du bewusst den Klang einer gepitchten Platte willst. Bei großen Tempoänderungen hilft Key Lock nur begrenzt, weil Artefakte hörbar werden.

Verschlechtert Key Lock den Klang?

Bei kleinen Tempoänderungen von wenigen Prozent ist mit aktuellen Algorithmen kaum etwas zu hören. Je größer die Änderung, desto eher entstehen Artefakte: Drums verlieren Punch, Flächen klingen flatternd und Stimmen unnatürlich. Wie stark, hängt von Software, Material und Anlage ab.

Ab wie viel Prozent Pitch ändert sich die Tonart?

Ohne Key Lock ändert sich die Tonhöhe bei jeder Tempoänderung. Rund 6 Prozent, genau 5,95 Prozent, entsprechen einem Halbton. Schon 3 Prozent ergeben etwa einen halben Halbton, was zusammen mit einem anderen Track hörbar schief klingen kann.

Ändert Sync die Tonart, wenn Key Lock aus ist?

Ja. Sync gleicht das Tempo an, indem es den Pitch des Decks verändert, technisch also genauso wie der Pitch-Fader. Ist Key Lock aus, ändert sich dabei auch die Tonhöhe. Wer mit Sync arbeitet und harmonisch mixen will, lässt Key Lock deshalb in der Regel eingeschaltet.

Das hängt damit zusammen

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