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DJ-Glossar · Musik & Track-Aufbau

Camelot Wheel

Auch: Camelot-Rad, Camelot-System, Camelot-Notation, Camelot Key, Camelot, Camelot Key Wheel

Das Camelot Wheel ordnet die 24 Tonarten als Codes von 1A bis 12B auf einem Rad an. Benachbarte Codes passen harmonisch – die Basis fürs Harmonic Mixing.

von · 8 Min. Lesezeit

1BH-Dur1Agis-Moll2BFis-Dur2Aes-Moll3BDes-Dur3Ab-Moll4BAs-Dur4Af-Moll5BEs-Dur5Ac-Moll6BB-Dur6Ag-Moll7BF-Dur7Ad-Moll8BC-Dur8Aa-Moll9BG-Dur9Ae-Moll10BD-Dur10Ah-Moll11BA-Dur11Afis-Moll12BE-Dur12Acis-MollCamelotaußen B = Durinnen A = Mollgewählt: 8Apasst: 7A, 9A, 8B±1 Zahl: eine Quintegleiche Zahl: Dur ↔ Mollim Uhrzeigersinn: aufwärts
Das Camelot-Rad: Benachbarte Codes und dieselbe Zahl mit anderem Buchstaben passen harmonisch zusammen. (eigene Illustration)

Das Camelot Wheel ist ein Ordnungssystem, das alle 24 Tonarten als Codes von 1A bis 12B auf einem Rad darstellt. Moll-Tonarten tragen ein A, Dur-Tonarten ein B, die Zahl gibt die Position wie auf einem Zifferblatt an. Benachbarte Codes passen harmonisch zusammen. So können DJs passende Tracks finden, ohne Musiktheorie zu beherrschen.

Aufbau des Rads

Das Rad besteht aus zwei Ringen mit je zwölf Feldern:

  • Außen, Buchstabe B: die zwölf Dur-Tonarten.
  • Innen, Buchstabe A: die zwölf Moll-Tonarten.
  • Die Zahl 1 bis 12: die Position auf dem Rad. Jeder Schritt im Uhrzeigersinn ist eine Quinte nach oben, gegen den Uhrzeigersinn eine Quinte nach unten.
  • Gleiche Zahl: Dur- und Moll-Tonart mit derselben Zahl sind Paralleltonarten, sie nutzen dieselben Töne.

Die vollständige Zuordnung:

Nr.A (Moll)B (Dur)
1gis-Moll (A♭m)H-Dur (B)
2es-Moll (E♭m)Fis-Dur (F♯)
3b-Moll (B♭m)Des-Dur (D♭)
4f-Moll (Fm)As-Dur (A♭)
5c-Moll (Cm)Es-Dur (E♭)
6g-Moll (Gm)B-Dur (B♭)
7d-Moll (Dm)F-Dur (F)
8a-Moll (Am)C-Dur (C)
9e-Moll (Em)G-Dur (G)
10h-Moll (Bm)D-Dur (D)
11fis-Moll (F♯m)A-Dur (A)
12cis-Moll (C♯m)E-Dur (E)

In Klammern stehen die englischen Namen, wie sie die meisten DJ-Programme anzeigen. Achtung: Englisch „B“ ist deutsch „H“ – mehr dazu im Eintrag Tonart.

1BH-Dur1Aas-Moll2BFis-Dur2Aes-Moll3BDes-Dur3Ab-Moll4BAs-Dur4Af-Moll5BEs-Dur5Ac-Moll6BB-Dur6Ag-Moll7BF-Dur7Ad-Moll8BC-Dur8Aa-Moll9BG-Dur9Ae-Moll10BD-Dur10Ah-Moll11BA-Dur11Afis-Moll12BE-Dur12Acis-Mollinnen Moll (A)außen Dur (B)

Gewählt

8A · a-Moll

Passt zu

Antippen spielt beide Akkorde zusammen. So klingt es, wenn sich zwei Tracks im Übergang überlagern.

Klick auf eine Tonart: Das Rad zeigt, welche Codes dazu passen.

Die Grundregeln

Die drei klassischen Regeln lassen sich am Rad direkt ablesen. Von 8A (a-Moll) aus passen:

  1. Gleicher Code: 8A zu 8A. Gleiche Tonart, harmonisch sicher.
  2. Eine Zahl weiter oder zurück: 7A oder 9A. Die Tonarten sind quintverwandt und teilen sechs von sieben Tönen. Ein Schritt im Uhrzeigersinn hebt die Stimmung leicht an, gegen den Uhrzeigersinn wird es ruhiger.
  3. Buchstabe wechseln bei gleicher Zahl: 8A zu 8B, also a-Moll zu C-Dur. Gleiche Töne, aber anderes Tongeschlecht – der Charakter wechselt von dunkel zu hell oder umgekehrt.

Daneben nutzen viele DJs bewusste Sprünge, die nicht in die Grundregeln passen, aber einen gezielten Effekt haben. Am bekanntesten ist der Sprung um zwei Zahlen nach oben (etwa 8A zu 10A), der als Energieschub empfunden wird, und der Diagonalschritt zwischen den Ringen (etwa 8A zu 9B). Welche Kombinationen wie wirken, mit Beispielen und Tabelle, zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung Harmonic Mixing mit Camelot.

Warum das funktioniert

Das Rad ist eine für DJs vereinfachte Form des Quintenzirkels, den Musiker seit Jahrhunderten nutzen. Im Quintenzirkel stehen Tonarten so nebeneinander, dass sich benachbarte nur in einem einzigen Ton unterscheiden. Je näher zwei Tonarten liegen, desto mehr Töne haben sie gemeinsam und desto weniger reiben sich ihre Melodien.

Die Leistung des Camelot-Systems ist die Übersetzung: Statt „Fis-Dur ist die Dominante von H-Dur“ heißt es einfach „2B passt zu 1B“. Das macht harmonisches Mischen auch ohne Theoriekenntnisse möglich.

Camelot in der Praxis

  • Codes in der Bibliothek: Viele DJ-Programme zeigen die Tonart wahlweise als Camelot-Code an. Externe Analyse-Tools schreiben den Code oft in ein Kommentar- oder Tonart-Feld der ID3-Tags, damit er überall sichtbar ist.
  • Nach Tonart sortieren: Sortierst du eine Playlist nach Code, liegen passende Tracks nebeneinander. Kombiniert mit der BPM-Spalte findest du schnell Kandidaten für den nächsten Track.
  • Set planen: Manche DJs planen ganze Strecken als Weg ums Rad, etwa 8A, 9A, 9B, 10B. Das ergibt einen langsamen, harmonisch schlüssigen Anstieg. Zusammen mit dem Energy Level entsteht so eine Set-Dramaturgie.
  • Pitch beachten: Pitchst du ohne Key Lock, stimmt der Code nicht mehr. Ein Halbton nach oben verschiebt den Code um sieben Positionen, etwa von 8A auf 3A. Gezielt nutzen kannst du das mit Key Shift.

Beispiel: ein Weg durchs Rad

So kann eine Strecke von sechs Tracks aussehen, die harmonisch schlüssig bleibt und dabei langsam an Helligkeit und Energie gewinnt:

TrackCodeSchrittWirkung
18A (a-Moll)Startdunkel, ruhig
28Agleiche Tonartsicherer Übergang
39A (e-Moll)+1leichter Schub
49B (G-Dur)Buchstabe wechselnheller, offener
510B (D-Dur)+1weiterer Schub
610A (h-Moll)Buchstabe wechselnwieder dunkler, kompakter

Der Weg zeigt das Prinzip: kleine Schritte, gelegentlich ein Wechsel des Tongeschlechts, und keine Sprünge über das Rad. Natürlich wählst du die Tracks im Set nicht nur nach Code – Energie, Sound und die Tanzfläche entscheiden mit. Aber wenn zwei Kandidaten gleich gut passen, gibt der Code den Ausschlag.

Camelot in der Software einrichten

Die meisten DJ-Programme lassen dich in den Einstellungen wählen, wie Tonarten angezeigt werden: klassisch (Am, C), als Camelot-Code oder teils als Open Key. Ein paar Schritte, die sich bewährt haben:

  1. Anzeige festlegen: Stell die Tonart-Spalte auf eine Notation und bleib dabei, auch auf allen Geräten im Setup.
  2. Alle Tracks analysieren: Lass die Bibliothek einmal komplett analysieren, damit jeder Track einen Code hat.
  3. Spalte einblenden: Blende Tonart und BPM nebeneinander ein, damit du beim Suchen beides siehst.
  4. Stichproben prüfen: Hör bei wichtigen Tracks gegen. Wenn die Analyse und dein Ohr sich widersprechen, korrigiere den Wert von Hand.

Grenzen des Systems

  • Analysefehler: Der Code ist nur so gut wie die Analyse. Gerade bei reduzierten oder stark verzerrten Tracks irrt die Software gern um eine Position oder verwechselt Paralleltonarten.
  • Nicht jeder Track hat eine Tonart: Percussive Tools, Noise-lastige Produktionen oder atonale Tracks lassen sich nicht sinnvoll einordnen.
  • Harmonisch heißt nicht automatisch gut: Ein Set, das nur zwischen 8A und 9A pendelt, kann gleichförmig wirken. Tonart ist ein Kriterium neben Energie, Sound und Stimmung.
  • Dein Ohr entscheidet: Klingt ein „verbotener“ Übergang gut, ist er gut. Klingt ein „erlaubter“ schief, prüfe die Analyse.

Herkunft und Alternativen

Das System geht auf den US-DJ Mark Davis zurück, der damit die Ordnung des Quintenzirkels für DJs zugänglich machte. Bekannt wurde es vor allem, weil eine verbreitete Key-Analyse-Software die Codes automatisch in Tracks schreibt. Weil Camelot an diese Software gebunden ist, entstand mit Open Key eine frei nutzbare Notation, die dieselbe Logik mit anderer Zählung abbildet: 8B ist dort 1d, 8A ist 1m.

Welche Notation du nutzt, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass du bei einer bleibst – und dass alle Programme in deinem Setup dieselbe anzeigen. Einen Überblick, welche DJ-Software welche Anzeige bietet, gibt dir der Software-Vergleich.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene

Für Einsteiger: Beschränk dich am Anfang auf die drei Grundregeln. Bau eine Übungs-Playlist aus Tracks mit 8A, 7A, 9A und 8B und probiere alle Kombinationen durch. So hörst du, wie sich ein Schritt nach oben, nach unten und ein Wechsel des Tongeschlechts anfühlt.

Für Fortgeschrittene: Nutze die bewussten Sprünge und kombiniere sie mit Technik. Ein Sprung um zwei Positionen wirkt am besten an einem klaren Phrasenwechsel, ein Wechsel über das halbe Rad gelingt mit einem Cut oder einem Echo-Out, bei dem die Tonarten nie gleichzeitig klingen. Und lerne, wann du das Rad ignorieren kannst: Bei perkussiven Tools und kurzen Übergängen ist es oft egal.

Häufige Fragen zu Camelot Wheel

Was ist das Camelot Wheel?

Das Camelot Wheel ist ein Rad mit den 24 Tonarten, kodiert als Zahl von 1 bis 12 und Buchstabe A für Moll oder B für Dur. Es ist eine vereinfachte Form des Quintenzirkels. Benachbarte Codes und dieselbe Zahl mit anderem Buchstaben passen harmonisch zusammen, sodass DJs ohne Musiktheorie Tracks in passenden Tonarten finden können.

Was bedeuten A und B im Camelot-System?

A steht für Moll-Tonarten und liegt auf dem inneren Ring des Rads, B steht für Dur-Tonarten auf dem äußeren Ring. Dieselbe Zahl mit A und B bezeichnet Paralleltonarten, die dieselben Töne nutzen, zum Beispiel 8A für a-Moll und 8B für C-Dur. Ein Wechsel zwischen ihnen verändert die Stimmung, bleibt aber harmonisch.

Welche Tonarten passen nach Camelot zusammen?

Sicher passen derselbe Code, eine Zahl mehr oder weniger mit gleichem Buchstaben und dieselbe Zahl mit anderem Buchstaben. Von 8A aus sind das 8A, 7A, 9A und 8B. Daneben gibt es bewusste Sprünge wie zwei Zahlen nach oben für einen Energieschub. Weiter entfernte Codes reiben sich bei langen Übergängen meist hörbar.

Was ist der Unterschied zwischen Camelot und Open Key?

Beide Systeme bilden die 24 Tonarten auf dieselbe Weise als Rad ab und folgen denselben Regeln. Sie zählen nur unterschiedlich: Open Key beginnt mit 1 bei C-Dur und a-Moll und nutzt d für Dur und m für Moll, Camelot beginnt an anderer Stelle und nutzt B und A. 8B in Camelot entspricht 1d in Open Key.

Ändert sich der Camelot-Code beim Pitchen?

Ja, wenn du ohne Key Lock pitchst. Mit dem Tempo steigt oder fällt die Tonhöhe, rund sechs Prozent entsprechen einem Halbton. Ein Halbton verschiebt den Code um sieben Positionen, aus 8A wird zum Beispiel 3A. Mit eingeschaltetem Key Lock bleibt die Tonart und damit der Code beim Pitchen gleich.

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