DJ-Glossar · Performance & Scratching
Turntablism
Auch: Turntablismus, Turntablist, Turntablisten, Battle-DJing
Turntablism ist die Kunst, Plattenspieler und Mixer als Musikinstrument zu spielen – mit Scratching, Beat Juggling und Routinen, oft in DJ-Battles.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Turntablism bezeichnet die Kunst, Plattenspieler und Mixer als Musikinstrument zu spielen, statt nur Tracks nacheinander abzuspielen. Turntablisten erzeugen mit Scratching neue Klänge, bauen mit Beat Juggling neue Rhythmen und verbinden beides zu einstudierten Routinen. Die Bühne dafür sind vor allem DJ-Battles, aber auch Bands, Studioproduktionen und Showcases.
Turntablism ist aus dem Hip-Hop hervorgegangen und bis heute eng mit ihm verbunden, wird aber zu Musik aller Stilrichtungen gespielt.
Woher der Begriff kommt
Die Techniken sind älter als der Name: Seit den 1970er-Jahren experimentierten Hip-Hop-DJs in New York mit Breaks, Cuts und Scratches. Den Begriff „Turntablist“ machte Mitte der 1990er-Jahre DJ Babu von den Beat Junkies populär, der ihn auf seinen Mixtapes verwendete. Andere beanspruchen die Wortschöpfung ebenfalls für sich, als Verbreiter gilt aber Babu. Mit dem Wort setzte sich das Selbstverständnis durch: Der Plattenspieler ist ein Instrument, der DJ ein Musiker.
Die Disziplinen
| Disziplin | Was passiert | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Scratching | neue Klänge aus kurzen Samples, geformt mit dem Fader | Baby, Chirp, Flare, Crab und Co. |
| Beat Juggling | Beats mit zwei Decks live neu arrangieren | Loops, Stutter, Echo-Juggles |
| Body Tricks | Scratchen hinter dem Rücken, mit dem Ellbogen oder anderen Körperteilen | Showelemente in Battles |
| Routinen | einstudierte Abläufe aus allen Techniken, oft mit eigenen Platten | Battle-Sets von wenigen Minuten |
| Team-Routinen | mehrere DJs spielen gemeinsam wie eine Band | Crew-Battles |
Battles und Wettbewerbe
DJ-Battles sind das Herz der Szene. Die DMC World DJ Championships finden seit 1985 statt und gelten als bekanntester Wettbewerb; ab 1986 wurden Scratches zum festen Bestandteil der Routinen. Daneben gibt es weitere Formate wie die IDA World DJ Championships mit eigenen Kategorien, etwa für Scratch und Show. In den Battles zählen Technik, Musikalität, Originalität und Bühnenpräsenz.
Das Turntablism-Setup
Die Grafik zeigt das klassische Setup: zwei Plattenspieler mit Direktantrieb, oft im „Battle-Stil“ um 90 Grad gedreht, damit der Tonarm nicht im Weg ist, und dazwischen ein Battle-Mixer mit zwei Kanälen und einem leichtgängigen Crossfader. Heute spielen die meisten Turntablisten mit DVS: Timecode-Platten steuern die DJ-Software, sodass sie jede Datei scratchen und juggeln können, ohne echte Platten zu verschleißen.
Woraus eine Routine besteht
Eine Battle-Routine dauert meist nur wenige Minuten und ist bis ins Detail geplant. Typische Bausteine sind ein markanter Einstieg, Scratch-Passagen über einem Beat, Juggle-Teile, in denen der Beat selbst neu arrangiert wird, und ein Abschluss, der im Gedächtnis bleibt. Viele Turntablisten pressen oder bauen sich dafür eigene Platten beziehungsweise Dateien mit allen Sounds in der richtigen Reihenfolge, damit keine Sekunde mit Suchen verloren geht. Musikalisch zählt, ob die Routine eine Geschichte erzählt: Spannung, Steigerung, Überraschung.
Turntablism und Club-DJing
| Club-DJ | Turntablist | |
|---|---|---|
| Ziel | Tanzfläche über Stunden tragen | musikalische Performance, oft wenige Minuten |
| Plattenspieler | Abspielgerät | Instrument |
| Übergänge | lang, unauffällig | schnell, sichtbar, Teil der Show |
| Vorbereitung | Musikauswahl | Routinen einstudieren |
| Bewertung | Stimmung im Raum | Technik, Kreativität, Jury |
Viele DJs verbinden beides: Sie spielen Club- oder Open-Format-Sets und bauen kurze Scratch- oder Juggle-Passagen ein.
Einstieg
Turntablism lernst du Schritt für Schritt: zuerst Baby Scratch und einfache Fader-Techniken, dann Beat Juggling, dann eigene kleine Routinen. Online-Kurse wie die School of Scratch strukturieren den Weg. Wichtiger als teure Geräte ist tägliche Übung zum Beat – und das Ohr für Musikalität, denn auch die schnellste Technik wirkt nur, wenn sie einen Groove hat.
Häufige Fragen zu Turntablism
Was ist Turntablism?
Turntablism ist die Kunst, Plattenspieler und Mixer als Musikinstrument zu spielen. Turntablisten erzeugen mit Scratching neue Klänge, arrangieren mit Beat Juggling Rhythmen neu und kombinieren beides zu Routinen. Die Technik stammt aus dem Hip-Hop und wird vor allem in DJ-Battles gezeigt.
Was ist der Unterschied zwischen DJ und Turntablist?
Ein Club-DJ wählt und verbindet Tracks, um eine Tanzfläche über Stunden zu tragen. Ein Turntablist nutzt Plattenspieler und Mixer als Instrument und erzeugt mit Scratches und Juggles eigene Musik, oft in kurzen, einstudierten Routinen. Viele DJs beherrschen beides in unterschiedlichem Maß.
Wer hat den Begriff Turntablism geprägt?
Populär gemacht hat den Begriff Turntablist Mitte der 1990er-Jahre DJ Babu von den Beat Junkies, der ihn auf seinen Mixtapes verwendete. Die Urheberschaft wird auch von anderen beansprucht. Die Techniken selbst sind älter und reichen bis in die Anfänge des Hip-Hop in den 1970er-Jahren zurück.
Braucht man für Turntablism echte Schallplatten?
Nein. Die meisten Turntablisten spielen heute mit DVS: Timecode-Platten auf normalen Plattenspielern steuern die DJ-Software, und gescratcht wird jede beliebige Datei. Das schont echte Platten und erlaubt eigene Sounds. Das Spielgefühl bleibt das eines Plattenspielers, weshalb DVS in Battles weit verbreitet ist.