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DJ-Glossar · Musik & Track-Aufbau

Time-Stretching

Auch: Timestretching, Time Stretch, Time-Stretch, Zeitdehnung, Warping

Time-Stretching verändert das Tempo einer Aufnahme, ohne ihre Tonhöhe zu verschieben. Es ist die Technik hinter Key Lock und Master Tempo in DJ-Software.

von · 4 Min. Lesezeit

Original4 Beats, Ton AOhne Key Locklänger und tieferMit Time-Stretchinglänger, gleiche HöheEnde des Originals
Time-Stretching ändert die Länge eines Tracks, ohne dass sich die Tonhöhe mitverschiebt. (eigene Illustration)

Time-Stretching ist ein Verfahren der Audiobearbeitung, das eine Aufnahme schneller oder langsamer macht, ohne ihre Tonhöhe zu verändern. Ein Track mit 124 BPM läuft dann mit 128 BPM, klingt aber weiterhin in seiner Originaltonart. In DJ-Software steckt Time-Stretching hinter der Funktion Key Lock, die bei manchen Geräten Master Tempo heißt.

Resampling und Time-Stretching im Vergleich

Ohne Time-Stretching verhält sich digitales Audio wie eine Schallplatte: Wird es schneller abgespielt, steigt auch die Tonhöhe. Dieses Verhalten heißt Resampling oder Vari-Speed.

VerfahrenTempoTonhöheKlang
Resampling (ohne Key Lock)ändert sichändert sich mit, rund 6 % pro Halbtonnatürlich, keine Artefakte
Time-Stretching (Key Lock)ändert sichbleibt gleichbei kleinen Änderungen sauber, bei großen Artefakte
Pitch-Shifting (Key Shift)bleibt gleichändert sichgleiche Algorithmen, ähnliche Artefakte

Time-Stretching und Pitch-Shifting sind zwei Seiten derselben Technik: Wer das eine kann, kann auch das andere.

Wie Time-Stretching funktioniert

Vereinfacht gesagt zerlegt der Algorithmus das Audio in sehr kurze Abschnitte und setzt sie neu zusammen. Soll der Track länger werden, werden einzelne Abschnitte wiederholt oder gedehnt; soll er kürzer werden, fallen Teile weg. Die Kunst liegt darin, die Übergänge zwischen den Abschnitten unhörbar zu machen.

Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Manche arbeiten direkt mit der Wellenform, andere zerlegen das Signal in seine Frequenzanteile und verändern diese. Jeder Ansatz hat Stärken und Schwächen: Was bei Flächen und Gesang sauber klingt, kann Schlagzeug-Anschläge verwischen – und umgekehrt. Gute Programme erkennen deshalb Transienten wie Kicks und Snares und behandeln sie gesondert.

Time-Stretching beim Auflegen

Beim Auflegen läuft Time-Stretching in Echtzeit, sobald du Key Lock einschaltest und den Pitch bewegst. Daraus ergeben sich ein paar Faustregeln:

  • Kleine Änderungen sind unkritisch: Bei wenigen Prozent hört kaum jemand einen Unterschied. Die meisten DJs lassen Key Lock deshalb dauerhaft an.
  • Große Änderungen klingen künstlich: Ab etwa 6 bis 10 Prozent hörst du je nach Material ein metallisches Flirren, verwischte Kicks oder einen „phasigen“ Klang.
  • Gesang und lange Töne zuerst: Artefakte fallen zuerst bei Vocals, gehaltenen Akkorden und Pads auf. Drum-Tracks verzeihen mehr.
  • Qualität kostet Rechenleistung: Manche Programme bieten verschiedene Qualitätsstufen. Auf schwächeren Rechnern lohnt ein Blick in die Einstellungen.

Wenn du einen Track stark verlangsamen oder beschleunigen musst, ist die Frage oft eher, ob es der richtige Track ist. Mehr zum Tempo-Angleichen steht im Eintrag BPM.

124.0 BPM

Pitch 0.0 % · Original 124 BPM

−8 %0+8 %
Bewege den Pitch-Fader mit und ohne Key Lock: Ohne Time-Stretching steigt die Tonhöhe mit dem Tempo.

Weitere Anwendungen

  • In der Produktion: Musikprogramme nutzen Time-Stretching, um Samples und Loops ans Projekttempo anzupassen oder live eingespielte Spuren ans Raster zu ziehen. Dort heißt das oft Warping.
  • Für Edits: Wer einen Track mit schwankendem Tempo für DJ-Zwecke bearbeitet, kann ihn per Time-Stretching auf ein festes Tempo bringen.
  • Zum Üben: Schwierige Passagen lassen sich verlangsamt anhören, ohne dass sie tiefer klingen. Das hilft etwa beim Heraushören von Scratch-Patterns oder schnellen Drum-Fills.
  • Bei der Stem-Trennung: Moderne Software kombiniert Time-Stretching mit Stems, damit getrennte Spuren auch im geänderten Tempo synchron bleiben.

Typische Fehler

  • Key Lock als Allheilmittel: Ein um 15 Prozent gestretchter Track klingt mit Key Lock schlechter als ein passender Track ohne.
  • Bewusstes Pitchen vergessen: Manchmal ist das Mitgehen der Tonhöhe gewollt, etwa bei Scratch-Sessions oder kreativen Tempo-Übergängen. Dann gehört Key Lock aus.
  • Qualitätsstufe ignorieren: Wer mit einer Sparvariante des Algorithmus auflegt, bekommt Artefakte schon bei kleinen Werten.
  • Artefakte der Analyse zuschreiben: Klingt ein Track mit Key Lock seltsam, liegt das meist am Algorithmus, nicht an der Datei. Schalt Key Lock testweise aus und vergleiche.

Häufige Fragen zu Time-Stretching

Was ist Time-Stretching?

Time-Stretching ist ein Verfahren, das das Tempo einer Audioaufnahme ändert, ohne ihre Tonhöhe zu verschieben. Der Algorithmus zerlegt das Audio in kurze Abschnitte und setzt sie verlängert oder verkürzt neu zusammen. In DJ-Software steckt es hinter Key Lock oder Master Tempo, in Produktionssoftware hinter Funktionen wie Warping.

Was ist der Unterschied zwischen Time-Stretching und Pitch-Shifting?

Time-Stretching verändert die Dauer und damit das Tempo bei gleicher Tonhöhe. Pitch-Shifting verändert die Tonhöhe bei gleichem Tempo. Beide nutzen dieselben Algorithmen und haben ähnliche Grenzen. In DJ-Software entspricht Time-Stretching dem Key Lock, Pitch-Shifting der Funktion Key Shift, mit der du die Tonart in Halbtönen verschiebst.

Ab wann hört man Time-Stretching?

Bei wenigen Prozent Tempoänderung meist gar nicht. Ab etwa sechs bis zehn Prozent werden je nach Material Artefakte hörbar: ein metallisches Flirren, verwischte Kicks oder ein künstlicher Klang bei Gesang und gehaltenen Tönen. Rein perkussive Tracks verzeihen mehr als Vocals und Flächen. Die Qualität hängt auch vom Algorithmus der Software ab.

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