Zum Inhalt springen

DJ-Glossar · Performance & Scratching

Controllerism

Auch: Controllerist, Controlleristen, Controller-Performance, Controllerismus

Controllerism ist das Live-Performen mit frei belegten MIDI-Controllern: Loops, Samples, Hot Cues und Effekte werden zum eigenen Live-Arrangement gespielt.

von · 4 Min. Lesezeit

ControllerMIDILoops & ClipsSamplesEffekteStemsLive-Arrangement
Beim Controllerism wird der frei belegte Controller zum Instrument für ein Live-Arrangement. (eigene Illustration)

Controllerism bezeichnet eine Performance-Form, bei der Musiker und DJs mit frei belegten MIDI-Controllern live Musik arrangieren und verändern. Statt Tracks nur nacheinander abzuspielen, zerlegen Controllerists sie in Loops, Samples, Hot Cues und Effekte und spielen diese Bausteine wie ein Instrument – mit Pads, Knöpfen und Fadern. Controllerism ist damit das digitale Gegenstück zum Turntablism.

Der Begriff wurde Mitte der 2000er-Jahre von dem US-Musiker Moldover geprägt, der ihn bewusst als Namen für eine wachsende Szene etablieren wollte.

Was Controllerism ausmacht

  • Freie Belegung: Controllerists legen sich Funktionen per MIDI-Mapping genau so auf ihre Geräte, wie sie sie brauchen – oft ganz anders als die Standardbelegung.
  • Live-Arrangement: Ein Track ist nicht fertig, sondern Material. Teile werden wiederholt, übersprungen, übereinandergelegt.
  • Sichtbare Performance: Das Publikum sieht, dass gespielt wird – ähnlich wie bei einem Instrument.
  • Mischformen: Die Grenze zwischen DJ-Set, Live-Set und Remix verschwimmt.

Typische Techniken

TechnikWieMehr dazu
Finger DrummingDrums und Samples live auf Pads spielenFinger Drumming
Cue JugglingHot Cues eines Tracks rhythmisch neu anordnenPads im Hot-Cue-Modus
Loop-LayeringMehrere Loops aus verschiedenen Tracks übereinanderLoops, Remix-Decks, Clips
Effekt-PerformanceEffektparameter als Ausdrucksmittel spielenFilter, Echo, Gate
Stem-RemixEinzelspuren live neu kombinierenStems

Controllerism, DJ-Set und Live-Set

DJ-SetControllerismLive-Set
Materialfertige TracksTracks, Loops, Sampleseigene Spuren und Sounds
FokusAuswahl und ÜbergängeLive-Umbau und Spieleigene Musik live erzeugt
WerkzeugDJ-Controller, Player, Mixerfrei belegte ControllerGrooveboxen, Synths, DAW

Eine kleine Routine als Beispiel

So kann eine einfache Controllerism-Passage über 16 Takte aussehen: Deck A spielt einen Track mit markantem Vocal. Auf den Pads von Deck B liegen acht Hot Cues aus demselben Track – Kick, Snare, drei Vocal-Silben, ein Synth-Stab. In den ersten acht Takten spielst du über den laufenden Beat einzelne Vocal-Silben im Rhythmus, in den nächsten vier Takten schaltest du per Stems den Gesang von Deck A stumm und spielst den Refrain aus den Pads neu. In den letzten vier Takten baust du mit einem schrumpfenden Loop und einem Filter Spannung auf, bevor der Track wieder normal weiterläuft.

Das Prinzip lässt sich beliebig ausbauen – mit mehr Decks, eigenen Samples oder einem zweiten Controller nur für Effekte.

Equipment

Für Controllerism brauchst du Software, die sich frei steuern lässt – DJ-Programme mit umfassendem Mapping oder Musiksoftware mit Clip-Ansicht – und Controller, die per MIDI oder HID kommunizieren. Beliebt sind Pad-Raster, kompakte Zusatz-Controller mit Knöpfen und Fadern sowie Kombinationen mehrerer kleiner Geräte. Viele Controllerists nutzen auch einen eingebauten Sampler und klassische DJ-Controller mit Performance-Pads als Basis.

Einstieg

  1. Mit dem vorhandenen Controller anfangen: Pad-Modi für Hot Cues, Loops und Sampler bieten schon viel Spielraum.
  2. Eine Idee mappen: Leg eine Funktion, die du oft brauchst, auf einen freien Knopf – etwa einen Effekt mit festem Wert.
  3. Kleine Routinen bauen: Ein Track, acht Hot Cues, ein Loop – und daraus 32 Takte neue Musik.
  4. Aufnehmen und anhören: Wie bei jeder Performance gilt: Was live aufregend ist, muss auch musikalisch funktionieren.

Typische Fehler

  • Zu viel Technik, zu wenig Musik: Ein Mapping mit hundert Funktionen nützt nichts, wenn der Groove fehlt.
  • Instabiles Setup: Viele Geräte, viele Kabel, viele Fehlerquellen. Teste alles vor dem Auftritt.
  • Latenz: Bei zu großem Puffer reagieren Pads hörbar verzögert. Stell die Puffergröße so klein ein, wie dein Rechner stabil verkraftet.

Häufige Fragen zu Controllerism

Was ist Controllerism?

Controllerism ist eine Performance-Form, bei der du mit frei belegten MIDI-Controllern live Musik arrangierst. Tracks werden in Loops, Samples und Hot Cues zerlegt und wie ein Instrument gespielt, ergänzt durch Effekte und Finger Drumming. Es ist das digitale Gegenstück zum Turntablism.

Wer hat den Begriff Controllerism geprägt?

Der US-Musiker Moldover hat den Begriff Mitte der 2000er-Jahre geprägt und bewusst als Namen für eine Szene von Performern etabliert, die mit Controllern live arbeiten. Durch Videos und Artikel in Fachmedien verbreitete er sich in den folgenden Jahren in der DJ- und Producer-Welt.

Brauche ich für Controllerism spezielle Hardware?

Nicht unbedingt. Ein DJ-Controller mit Performance-Pads reicht für den Einstieg, weil Hot Cues, Loops und Sampler schon viel ermöglichen. Später kommen oft Pad-Controller oder kleine Zusatz-Controller dazu, die du per MIDI-Mapping frei belegst.

Was ist der Unterschied zwischen Controllerism und normalem DJing?

Beim normalen DJing wählst du Tracks aus und verbindest sie mit Übergängen. Beim Controllerism zerlegst du Tracks in Bausteine wie Loops, Hot Cues und Samples und spielst daraus live etwas Neues, ähnlich wie auf einem Instrument. Die Grenzen sind fließend, viele DJs nutzen einzelne Controllerism-Techniken im Set.

Das hängt damit zusammen

Mehr aus Performance & Scratching