DJ-Glossar · Mixing & Übergänge
Vorhören (Cue/PFL)
Auch: Vorhören, PFL, Pre-Fader Listening, Pre Fader Listen, Kopfhörer-Cue, Vorhörfunktion, Cue-Mix
Vorhören (Cue oder PFL) heißt, einen Kanal nur auf den Kopfhörer zu legen, um den nächsten Track vorzubereiten, ohne dass das Publikum etwas hört.
von Mario Kernich· 7 Min. Lesezeit
Vorhören – am Mixer meist mit Cue oder PFL (Pre-Fader Listening) beschriftet – heißt, einen Kanal nur auf den Kopfhörer zu legen. So hörst du den nächsten Track, während das Publikum weiter nur den laufenden hört. Weil die Funktion vor dem Kanalfader abgreift, funktioniert sie auch bei geschlossenem Fader. Ohne Vorhören gibt es kein Beatmatching und kein sauberes Einpegeln.
- Taste
- Cue oder PFL pro Kanal
- Abgriff
- vor dem Kanalfader
- Regler
- Kopfhörer-Pegel und Cue/Master-Mix
- Wofür
- Einpegeln, Beatmatching, Startpunkt finden
So funktioniert das Vorhören
Jeder Kanal eines DJ-Mixers hat eine Cue-Taste. Drückst du sie, schickt der Mixer das Signal dieses Kanals zusätzlich auf einen eigenen Kopfhörerweg, den Cue-Bus. Der Abgriff liegt vor dem Kanalfader, daher der Name Pre-Fader Listening. Das heißt: Auch wenn der Fader ganz unten ist und das Publikum nichts hört, hast du den Track im Kopfhörer.
Die Grafik oben zeigt den Signalweg: Deck A läuft über den offenen Kanalfader auf den Master und zur PA. Deck B ist per Cue-Taste nur auf den Kopfhörer geschaltet, sein Fader bleibt unten. Mit dem Cue/Master-Regler mischst du dir im Kopfhörer, wie viel du vom vorgehörten Track und wie viel vom Master hören willst.
Die Regler am Kopfhörerweg
- Cue-Tasten: pro Kanal, oft auch für den Master oder die Effekte. Mehrere Kanäle können gleichzeitig gedrückt sein.
- Cue/Master-Mix (Cue Mix): stufenlos von „nur Cue“ bis „nur Master“. In der Mitte hörst du beides.
- Kopfhörer-Pegel: die Lautstärke im Kopfhörer, unabhängig vom Master.
- Split Cue: legt den vorgehörten Track auf ein Ohr und den Master auf das andere, siehe Split Cue.
Manche Mixer bieten zusätzlich ein Abhören nach dem Fader oder ein Vorhören der Effekte. Damit prüfst du etwa, wie ein Echo klingt, bevor du es auf den Master schickst – praktisch bei Beat-FX.
Cue-Taste am Mixer und Cue-Taste am Player
Das Wort „Cue“ hat beim Auflegen zwei Bedeutungen, die gern verwechselt werden:
| Cue am Mixer | Cue am Player oder Deck | |
|---|---|---|
| Funktion | Kanal auf den Kopfhörer legen | Startpunkt im Track setzen und anspringen |
| Andere Namen | PFL, Vorhören | Cue-Punkt |
| Hört das Publikum etwas? | nein | ja, wenn der Kanal offen ist |
Beides gehört zusammen: Du hörst den neuen Track per Mixer-Cue im Kopfhörer vor und startest ihn vom Cue-Punkt des Players aus.
Der Ablauf beim Vorbereiten eines Tracks
- Track laden und die Cue-Taste seines Kanals drücken.
- Eine laute Stelle anspielen und den Gain einpegeln, bis die Kanalanzeige zum laufenden Track passt. Das ist der erste Schritt im Gain Staging.
- Den Startpunkt suchen, meist die erste Eins des Intros.
- Den Track auf die Eins starten und im Kopfhörer das Tempo angleichen – das eigentliche Beatmatching.
- Mit dem Cue/Master-Regler prüfen, ob beide Tracks zusammen gut klingen.
- Einblenden – und danach die Cue-Taste des neuen Kanals wieder lösen, um für den nächsten Track bereit zu sein.
Kopfhörer-Techniken
- Beide Ohren: Die Ohrmuscheln sitzen auf beiden Ohren, über den Cue/Master-Regler mischst du dir beide Tracks. Gut in lauter Umgebung, aber du hörst den Raum kaum.
- Ein Ohr: Eine Ohrmuschel auf dem Ohr, das andere Ohr hört den Raum oder den Booth-Monitor. Das ist im Club die verbreitetste Technik. Viele DJ-Kopfhörer haben dafür drehbare Muscheln.
- Kopfhörer am Hals, Muschel ans Ohr gehalten: Schnell auf- und abgesetzt, aber auf Dauer anstrengend für Arm und Nacken.
Im Club ergänzt der Booth-Monitor den Kopfhörer: Er liefert dir den Master direkt am Pult, ohne die Verzögerung der weiter entfernten Hauptlautsprecher.
Vorhören mit Laptop und Controller
Damit du gleichzeitig Master und Kopfhörer getrennt hören kannst, braucht das System zwei getrennte Stereo-Ausgänge. Die meisten DJ-Controller haben dafür eine eingebaute Soundkarte mit Master- und Kopfhörerausgang. Wer nur mit Laptop und dessen eingebautem Kopfhörerausgang auflegt, hat dieses Problem: Es gibt nur einen Ausgang.
Viele DJ-Programme bieten für diesen Fall einen Split-Modus, der auf einem Kanal den Master und auf dem anderen den Cue ausgibt – jeweils in Mono und mit einem Y-Kabel getrennt. Das funktioniert zum Ausprobieren, klingt aber eingeschränkt. Besser ist ein Controller mit Soundkarte oder ein externes Audio-Interface mit mindestens vier Ausgängen. Was ein sinnvolles Einstiegs-Setup braucht, steht im Schritt Einsteiger-Setup wählen.
Vorhören an verschiedenen Geräten
- Club-Mixer: Cue-Tasten für jeden Kanal, oft zusätzlich für den Master und die Effekte. Der Kopfhörerausgang ist kräftig ausgelegt, damit er auch in lauter Umgebung reicht. Manche Mixer haben zwei Kopfhörerausgänge, was beim B2B hilft.
- DJ-Controller: Die Cue-Tasten sitzen meist über den Kanalfadern, der Kopfhörerausgang an der Front. Cue/Master-Mix und Kopfhörerlautstärke sind als Regler am Gerät oder in der Software zu finden.
- Battle- und Scratch-Mixer: Hier ist der Kopfhörerweg oft besonders direkt gestaltet, weil beim Scratchen schnell zwischen Kanälen gewechselt wird. Häufig gibt es einen Schalter, der den Cue-Mix zwischen den beiden Seiten umschaltet.
- Standalone-Systeme: Funktionieren wie ein Controller mit eingebauter Soundkarte, nur ohne Laptop. Vorhören klappt ohne Zusatzgeräte.
Wichtig für den Wechsel zwischen Geräten: Der Kopfhörerausgang mancher Einsteigergeräte ist deutlich schwächer als der eines Clubmixers. Teste deinen Kopfhörer deshalb am Gerät, mit dem du auftrittst.
Lautstärke und Gehör
Der Kopfhörer ist das Werkzeug, mit dem DJs ihr Gehör am stärksten belasten. In lauter Umgebung dreht man ihn schnell immer weiter auf, um noch etwas zu verstehen. Ein paar Regeln helfen:
- Booth moderat: Je leiser der Booth-Monitor, desto leiser kann auch der Kopfhörer sein.
- Geschlossene Kopfhörer: Sie schirmen Umgebungslärm ab, du brauchst weniger Pegel.
- Pausen: Den Kopfhörer zwischen den Übergängen absetzen.
- Gehörschutz: Angepasster Gehörschutz mit linearer Dämpfung ist für viele DJs Standard. Mehr dazu im Ratgeber Gehörschutz für DJs.
Typische Fehler
- Falsche Cue-Taste gedrückt: Du hörst den laufenden statt den neuen Track und wunderst dich, warum nichts zusammenpasst. Ein kurzer Blick auf die beleuchteten Tasten hilft.
- Nur Master im Kopfhörer: Der Cue/Master-Regler steht ganz auf Master. Für das Vorbereiten sollte er Richtung Cue zeigen.
- Kopfhörer lauter als nötig: Zu laut ermüdet das Ohr, und Feinheiten wie die Phase der Kicks hörst du schlechter.
- Vergessen, die Cue-Taste zu lösen: Kein Problem für das Publikum, aber beim nächsten Track hörst du zwei Kanäle im Kopfhörer.
Für Einsteiger und für Fortgeschrittene
Für Einsteiger: Gewöhn dir einen festen Ablauf an: Cue drücken, Gain einstellen, Startpunkt setzen, matchen, einblenden, Cue lösen. Wenn du von Anfang an mit einem Ohr auf dem Kopfhörer und einem im Raum arbeitest, fällt dir später der Wechsel in den Club leichter.
Für Fortgeschrittene: Nutz das Vorhören auch für Effekte, Loops und Samples, bevor du sie auf den Master gibst. Und trainier, Übergänge mit weniger Kopfhörer zu machen – wer die Struktur seiner Tracks kennt, braucht ihn nur noch zur Kontrolle.
Was du dafür brauchst
Einen Mixer oder Controller mit Cue-Tasten pro Kanal und eigenem Kopfhörerausgang, dazu geschlossene DJ-Kopfhörer, die laut genug sind und gut sitzen. Welche Modelle sich eignen, hilft dir der Kopfhörer-Finder einzugrenzen; worauf es beim Kauf ankommt, erklärt der Ratgeber DJ-Kopfhörer richtig wählen.
Häufige Fragen zu Vorhören (Cue/PFL)
Was bedeutet Cue am DJ-Mixer?
Die Cue-Taste am Mixer legt einen Kanal auf den Kopfhörer. So hörst du den nächsten Track vor, ohne dass das Publikum ihn hört. Weil das Signal vor dem Kanalfader abgegriffen wird, funktioniert das auch bei geschlossenem Fader. Die Funktion heißt deshalb auch PFL, Pre-Fader Listening.
Was ist der Unterschied zwischen PFL und Cue?
Im DJ-Alltag meinen beide dasselbe: das Vorhören eines Kanals im Kopfhörer. PFL steht für Pre-Fader Listening und beschreibt genauer, dass das Signal vor dem Kanalfader abgegriffen wird. Cue ist die gebräuchliche Beschriftung auf DJ-Mixern. Am Player bezeichnet Cue dagegen den Startpunkt im Track.
Kann man nur mit einem Laptop vorhören?
Nur eingeschränkt. Ein Laptop hat meist nur einen Stereo-Ausgang. Viele DJ-Programme können ihn aufteilen, sodass auf einem Kanal der Master und auf dem anderen der Kopfhörer liegt, jeweils in Mono. Das reicht zum Ausprobieren. Für richtiges Vorhören brauchst du einen Controller mit eingebauter Soundkarte oder ein Audio-Interface mit vier Ausgängen.
Wofür ist der Cue/Master-Regler?
Mit ihm mischst du dir im Kopfhörer, wie viel du vom vorgehörten Kanal und wie viel vom Master hörst. Ganz auf Cue hörst du nur den neuen Track, ganz auf Master nur das, was auch das Publikum hört. Für das Beatmatching stellen viele DJs eine Mischung ein, um beide Tracks gleichzeitig vergleichen zu können.
Wie laut sollte der Kopfhörer beim Auflegen sein?
So leise wie möglich, so laut wie nötig. Du musst die Kick des vorgehörten Tracks klar erkennen, mehr nicht. Ein moderat eingestellter Booth-Monitor und geschlossene Kopfhörer helfen, mit weniger Pegel auszukommen. Pfeift oder rauscht es nach dem Set im Ohr, war es zu laut. Angepasster Gehörschutz ist für viele DJs Standard.