DJ-Glossar · Musik & Track-Aufbau
Sample
Auch: Samples, Sampling, gesampelt, Sample Clearance, Sample-Clearance
Ein Sample ist ein Ausschnitt aus einer bestehenden Aufnahme, der in einem neuen Track wiederverwendet wird – vom Drum-Break bis zur Vocal-Zeile.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Ein Sample ist ein Ausschnitt aus einer bestehenden Tonaufnahme, der in einem neuen Musikstück wiederverwendet wird: ein Drum-Break aus einer Funk-Platte, eine Gesangszeile, ein Akkord oder ein einzelner Klang. Das Verfahren heißt Sampling. Es prägt Hip-Hop, House, Drum & Bass und viele andere Genres – und ist eng mit DJ-Kultur verbunden, weil es aus dem Wiederverwenden von Platten entstanden ist.
Zwei Bedeutungen
In der Audiotechnik hat „Sample“ noch eine zweite Bedeutung: einen einzelnen Messwert eines digitalen Audiosignals. Eine CD speichert 44.100 solcher Samples pro Sekunde und Kanal. Darum geht es im Eintrag Samplerate. Hier geht es um das musikalische Sample, also den wiederverwendeten Ausschnitt.
Wie Sampling funktioniert
- Auswählen: Gesucht wird eine Stelle, die allein stehen kann – ein Takt Schlagzeug ohne Gesang, eine prägnante Zeile, ein Bläsersatz.
- Ausschneiden: Das Stück wird genau auf Taktgrenzen oder einzelne Schläge geschnitten. Das Zerlegen in kleine Teile nennt man „Chopping“.
- Verändern: Tempo und Tonhöhe werden angepasst, oft gefiltert, mit Effekten versehen oder rückwärts abgespielt.
- Neu anordnen: Das Sample wird geloopt, über Pads neu gespielt oder als Baustein im Arrangement verteilt.
- Ergänzen: Neue Drums, Bass und Melodien entstehen um das Sample herum.
Sampling in der Musikgeschichte
Sampling hat seine Wurzeln in der DJ-Technik: Hip-Hop-DJs in New York verlängerten in den 1970er-Jahren mit zwei Plattenspielern die Drum-Breaks von Funk- und Soul-Platten, damit Tänzer länger dazu tanzen konnten. Mit digitalen Samplern ließ sich das ab den 1980er-Jahren im Studio nachbauen. House und Techno nutzen seitdem Disco-, Soul- und Gospel-Samples, Drum & Bass baut auf zerschnittenen Breakbeats auf. Der bekannteste davon ist der sogenannte Amen Break aus einem Soul-Stück von 1969, der in unzähligen Tracks steckt.
Viele bekannte Hooks sind selbst Samples. Wer weiß, woher ein Sample stammt, kann daraus übrigens schöne Übergänge bauen – etwa das Original direkt nach dem Track spielen, der es zitiert.
Samples beim Auflegen
Auch DJs arbeiten live mit Samples. Ein Sampler in der DJ-Software oder im Controller spielt kurze Klänge auf Knopfdruck ab:
- One-Shots: einzelne Klänge wie ein Horn, ein Vocal-Shout oder ein Effekt.
- Loops: Percussion- oder Melodie-Loops, die synchron zum laufenden Track mitlaufen.
- Vocal-Schnipsel: kurze Zeilen, die als Antwort auf den Track oder als Teaser dienen.
Seit DJ-Software Tracks in Stems zerlegen kann, lassen sich zudem einzelne Elemente eines Songs live isolieren – im Prinzip Sampling in Echtzeit. Passende Hardware findest du unter Sampler und Effektgeräte.
Rechtliches: Sample-Clearance
Wer Samples aus fremden Aufnahmen in einer eigenen Veröffentlichung nutzt, berührt in der Regel zwei Rechte: das an der Komposition (Urheber und Verlag) und das an der Aufnahme selbst (Tonträgerhersteller und ausübende Künstler). Üblich ist deshalb die Sample-Clearance, also die Erlaubnis der Rechteinhaber, oft gegen Beteiligung oder Gebühr.
In Deutschland ist das Thema durch den jahrzehntelangen Streit um ein zwei Sekunden langes Sample aus dem Kraftwerk-Stück „Metall auf Metall“ bekannt geworden. Der Europäische Gerichtshof hat 2019 entschieden, dass auch kurze, wiedererkennbare Ausschnitte die Rechte des Tonträgerherstellers verletzen können, während veränderte und beim Hören nicht wiedererkennbare Fragmente keine Zustimmung brauchen. Seit 2021 erlaubt § 51a UrhG außerdem Nutzungen zum Zweck von Karikatur, Parodie und Pastiche. Der Bundesgerichtshof hat im September 2026 entschieden, dass das umstrittene Sample als Pastiche zulässig war – laut seiner Pressemitteilung aber nur, weil das neue Werk erkennbar einen künstlerischen Dialog mit dem Original führt und sich wahrnehmbar davon unterscheidet. Ein Freibrief für jedes Sample ist das ausdrücklich nicht.
Für DJs im Club gilt: Das Abspielen gekaufter Tracks samt ihrer Samples ist ein anderes Thema als das Veröffentlichen eigener Produktionen. Wer eigene Edits, Remixe oder Mixe veröffentlicht, findet mehr im Eintrag Urheberrecht für DJ-Mixe.
Häufige Fragen zu Sample
Was ist ein Sample in der Musik?
Ein Sample ist ein Ausschnitt aus einer bestehenden Aufnahme, der in einem neuen Musikstück wiederverwendet wird, etwa ein Drum-Break, eine Gesangszeile oder ein Akkord. Das Verfahren heißt Sampling. Es ist prägend für Hip-Hop, House und Drum & Bass und entstand aus der DJ-Praxis, Teile von Platten zu wiederholen.
Darf man Samples einfach verwenden?
Für eigene Veröffentlichungen in der Regel nicht ohne Erlaubnis. Betroffen sind sowohl die Rechte an der Komposition als auch an der Aufnahme. Üblich ist eine Sample-Clearance mit den Rechteinhabern. In Deutschland kann Sampling als Pastiche nach Paragraf 51a Urheberrechtsgesetz zulässig sein, aber nur unter engen Voraussetzungen. Im Zweifel solltest du dich rechtlich beraten lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Sample und Sampler?
Ein Sample ist der Klang oder Ausschnitt selbst, ein Sampler das Gerät oder die Software, die Samples aufnimmt, speichert und auf Knopfdruck abspielt. In DJ-Software gibt es meist einen eingebauten Sampler mit mehreren Slots, in die du One-Shots, Loops oder Vocal-Schnipsel laden und live abfeuern kannst.
Was bedeutet Sample bei der Samplerate?
In der Digitaltechnik ist ein Sample ein einzelner Messwert des Audiosignals. Die Samplerate gibt an, wie viele solcher Werte pro Sekunde gespeichert werden, bei einer CD 44.100. Mit dem musikalischen Sample, also einem wiederverwendeten Ausschnitt aus einer Aufnahme, hat diese Bedeutung nichts zu tun, außer dem Namen.