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DJ-Glossar · Anschlüsse & Beschallung

Phono-Vorverstärker

Auch: Phono-Preamp, Phono Preamp, Phonovorverstärker, Phono-Stage, Entzerrer-Vorverstärker, RIAA-Entzerrung, Phono-Vorstufe

Ein Phono-Vorverstärker hebt das Millivolt-Signal eines Tonabnehmers auf Line-Pegel und gleicht die RIAA-Kennlinie der Schallplatte aus.

von · 4 Min. Lesezeit

20501002005001k2k5k10k20k−30−20−100 dB+10+20+30Frequenz (Hz)Bässe angehoben (≈ +19 dB)Höhen abgesenkt (≈ −20 dB)Wiedergabe: Entzerrung im Phono-VorverstärkerSchnitt der Platte: Bässe leiser, Höhen lauter
Die RIAA-Entzerrung im Phono-Vorverstärker spiegelt die Kurve, mit der die Platte geschnitten wurde. (eigene Illustration)

Ein Phono-Vorverstärker hebt das sehr schwache Signal eines Plattenspieler-Tonabnehmers auf Line-Pegel an und entzerrt es nach der RIAA-Kennlinie. Ohne ihn klingt eine Schallplatte leise, dünn und spitz. In DJ-Mixern steckt er in jedem Phono-Eingang; als separates Gerät ergänzt er Controller, Aktivboxen und Anlagen ohne Phono-Eingang.

Zwei Aufgaben: verstärken und entzerren

Verstärken: Ein MM-Tonabnehmer liefert typischerweise nur wenige Millivolt. Line-Pegel liegt rund 40 dB darüber. Der Vorverstärker schließt diese Lücke – möglichst rauscharm, denn jedes Rauschen wird danach mit verstärkt.

Entzerren: Beim Schneiden einer Schallplatte werden die Bässe abgesenkt und die Höhen angehoben. Tiefe Töne erzeugen große Auslenkungen der Rille; ungedämpft würden sie viel Platz auf der Platte brauchen und die Nadel aus der Rille werfen. Angehobene Höhen sorgen dafür, dass beim Absenken während der Wiedergabe auch das Oberflächenrauschen leiser wird. Der Vorverstärker kehrt diese Kurve exakt um.

Die RIAA-Kennlinie

Die Kurve wurde Mitte der 1950er-Jahre von der Recording Industry Association of America (RIAA) vereinheitlicht und später international genormt. Seitdem gilt sie für praktisch alle Stereo-Schallplatten. Sie ist über drei Zeitkonstanten definiert (3180, 318 und 75 Mikrosekunden). Bezogen auf 1 kHz hebt die Wiedergabe-Entzerrung die Bässe bei 20 Hz um gut 19 dB an und senkt die Höhen bei 20 kHz um knapp 20 dB ab.

Bei 20 Hz
≈ +19 dB
Wiedergabe, bezogen auf 1 kHz
Bei 1 kHz
0 dB
Bezugspunkt
Bei 20 kHz
≈ −20 dB
Verstärkung (MM)
rund 40 dB
bei 1 kHz

Diese starke Bassanhebung erklärt auch, warum Plattenspieler empfindlich auf Trittschall und tieffrequente Rückkopplung reagieren: Was die Nadel an Vibrationen im Tiefbass aufnimmt, wird kräftig mitverstärkt.

Wo der Phono-Vorverstärker sitzen kann

OrtWannHinweis
Im DJ-MixerPhono-Eingang mit WahlschalterStandard im Club
Im PlattenspielerSchalter PHONO / LINEpraktisch für Controller und Aktivboxen
Externes Gerätzwischen Plattenspieler und Line-Eingangeigenes Netzteil, Masseschraube
Im DVS-InterfacePhono-Eingänge für Timecodemeist umschaltbar

Entscheidend ist: genau einmal entzerren. Zwei Vorverstärker hintereinander übersteuern und dröhnen, gar keiner klingt dünn und leise. Wie die Eingänge am Mixer zusammenhängen, erklärt Phono und Line.

MM und MC

DJ-Plattenspieler arbeiten fast immer mit MM-Tonabnehmern. Sie liefern genug Pegel für jeden Phono-Eingang, sind robust und haben eine austauschbare Nadel. MC-Tonabnehmer stammen eher aus dem HiFi-Bereich, liefern deutlich weniger Spannung und brauchen einen Vorverstärker mit MC-Stufe oder einen Übertrager. Für das Auflegen spielen sie kaum eine Rolle. Mehr zu Bauformen unter Tonabnehmer.

Einen externen Phono-Vorverstärker anschließen

  1. Anlage leise drehen.
  2. Plattenspieler per Cinch an den Eingang des Vorverstärkers anschließen, das Massekabel an dessen GND-Schraube – siehe Erdung.
  3. Ausgang des Vorverstärkers per Cinch an einen Line-Eingang von Controller, Mixer oder Aktivbox.
  4. Netzteil einstecken, Platte abspielen, Pegel prüfen.

Brauche ich einen Phono-Vorverstärker?

  • Club-Mixer mit Phono-Eingängen: nein, er ist eingebaut.
  • Controller ohne Phono-Eingang: ja, oder ein Plattenspieler mit eingebautem Vorverstärker.
  • DVS mit Timecode-Vinyl: Das Interface oder der DVS-Mixer bringt passende Phono-Eingänge mit. Mehr dazu unter DVS.

Plattenspieler mit und ohne eingebauten Vorverstärker findest du in der Übersicht DJ-Plattenspieler.

Häufige Fragen zu Phono-Vorverstärker

Wofür braucht man einen Phono-Vorverstärker?

Ein Plattenspieler liefert nur wenige Millivolt und ein Signal mit abgesenkten Bässen. Der Phono-Vorverstärker verstärkt es auf Line-Pegel und gleicht die RIAA-Kennlinie aus, mit der die Platte geschnitten wurde. Ohne ihn klingt die Platte leise, dünn und spitz.

Hat ein DJ-Mixer einen Phono-Vorverstärker?

Ja, wenn er Phono-Eingänge hat. Dann steckt der Vorverstärker im Eingang, und du wählst mit einem Schalter zwischen Phono und Line. Viele Einsteiger-Controller haben dagegen keine Phono-Eingänge und brauchen einen externen Vorverstärker oder einen Plattenspieler mit eingebautem.

Was ist die RIAA-Kennlinie?

Die RIAA-Kennlinie ist eine genormte Frequenzkurve, nach der Schallplatten geschnitten werden: Bässe abgesenkt, Höhen angehoben. Bei der Wiedergabe kehrt der Phono-Vorverstärker die Kurve um. So passen mehr Musik und Dynamik auf die Platte, und das Oberflächenrauschen sinkt.

Kann man zwei Phono-Vorverstärker hintereinander schalten?

Das solltest du nicht. Das Signal wird dann zweimal verstärkt und zweimal entzerrt, klingt übersteuert und extrem bassig. Ist im Plattenspieler ein Vorverstärker eingeschaltet, gehört er an einen Line-Eingang. Ist er ausgeschaltet, an einen Phono-Eingang.

Klingt ein externer Phono-Vorverstärker besser?

Nicht automatisch. Die Phono-Stufen guter DJ-Mixer sind für den Club ausgelegt und völlig ausreichend. Ein externer Vorverstärker lohnt sich vor allem, wenn dein Gerät keinen Phono-Eingang hat oder du im Heim-Setup mit HiFi-Komponenten arbeitest. Achte bei externen Geräten auf ein ordentliches Netzteil und eine Masseschraube.

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