DJ-Glossar · Mixing & Übergänge
Halftime & Double Time
Auch: Halftime, Half-Time, Double Time, Double-Time, Halbes Tempo, Doppeltes Tempo, Halftime-Feel
Halftime und Double Time bezeichnen das halbe und doppelte Tempo eines Tracks – und einen Groove, der sich trotz gleicher BPM halb so schnell anfühlt.
von Mario Kernich· 4 Min. Lesezeit
Halftime und Double Time beschreiben zwei verwandte Dinge: das halbe oder doppelte Tempo eines Tracks und einen Groove, der sich trotz gleicher BPM halb so schnell anfühlt. Für DJs ist beides wichtig. Tracks im Verhältnis 1:2 lassen sich direkt mixen, etwa Hip-Hop mit 87 BPM und Drum & Bass mit 174 BPM. Und viele Genres wechseln innerhalb eines Tracks zwischen beiden Gefühlen.
Bedeutung 1: Das Tempo-Verhältnis
Ein Track mit 87 BPM hat genau halb so viele Schläge pro Minute wie einer mit 174 BPM. Jeder zweite Schlag des schnelleren Tracks fällt auf einen Schlag des langsameren. Die Grafik oben zeigt das unten: Die Schläge bei 87 BPM liegen exakt auf jedem zweiten Schlag bei 174 BPM. Die Tracks teilen sich also dasselbe Raster und lassen sich ohne Pitch-Änderung gemeinsam spielen.
Typische Paare:
| Langsam | Schnell | Typische Genres |
|---|---|---|
| um 70 BPM | um 140 BPM | Trap, Dubstep, Grime, Hardtechno |
| um 85–87 BPM | um 170–174 BPM | Hip-Hop, Drum & Bass |
| um 64 BPM | um 128 BPM | Downtempo, House |
Bedeutung 2: Der Halftime-Groove
Ein Track kann bei unveränderten BPM so arrangiert sein, dass er sich halb so schnell anfühlt. Im Drum & Bass liegt die Snare normalerweise auf den Schlägen 2 und 4. Im Halftime-Groove kommt sie nur auf der 3 – der Track wirkt plötzlich schwer und langsam, obwohl er weiter 174 BPM hat (mittlere Zeile der Grafik). Dubstep basiert meist auf diesem Prinzip: rund 140 BPM, aber die Snare auf der 3, sodass es sich wie 70 anfühlt.
Umgekehrt heißt Double Time, dass ein Groove doppelt so dicht wird, etwa wenn Hi-Hats oder Snares plötzlich auf jede Achtelnote kommen. Viele Tracks setzen solche Wechsel bewusst als Spannungselement ein.
Was das für DJs bedeutet
Tempo-Sprünge ohne Pitch
Über das Halftime-Verhältnis kommst du von einem Tempobereich in einen ganz anderen, ohne den Pitch weit zu verstellen. Ein Hip-Hop-Set bei 87 BPM geht in Drum & Bass bei 174 über, ein Dubstep-Set in Trance oder Hardtechno um 140. Der Groove springt dabei hörbar – das ist der Reiz. Den Übergang dazu kannst du hier hören:
Takt 1 von 20 · Schlag 1 · 87.0 BPM
Deck A · Hip-Hop
Hauptteil Kick · Drums · Bass · Melodie
Outro Kick · Drums · Bass
Deck B · Drum & Bass
Intro Kick · Drums
Hauptteil Kick · Drums · Bass · Melodie
Lautstärke (Kanalfader)
Bass (Low-EQ)
Tempo87–174 BPM
Deck A Deck B EffekteWellenform: Original-Wellenform des Tracks, unabhängig von Fader, EQ und Effekten, kräftige Farbe = Bass · Gestrichelte Blöcke: Teil des Tracks ohne alle Spuren · Klick in die Zeitleiste springt dorthin
Mixer bei Takt 1
Deck A
Hip-Hop
87.0 BPM · Hauptteil
Deck B
Drum & Bass
174.0 BPM · bereit (Cue)
Schritt für Schritt
Klangbeispiele aus selbst synthetisierten Loops, ohne Samples. Echte Tracks haben mehr Details. Den Bass-Tausch hörst du am besten mit Kopfhörern oder Boxen mit Tiefgang.
Die Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du beim Halftime-Übergang.
Fehler in der BPM-Erkennung
Die automatische Track-Analyse erkennt bei vielen Tracks nicht eindeutig, ob sie halb oder doppelt so schnell sind. Ein Drum-&-Bass-Track wird dann mit 87 BPM angezeigt, ein Dubstep-Track mit 70 statt 140. Für Sync und Sortierung ist das ärgerlich: Sync stellt ein völlig falsches Tempo ein, und in der Bibliothek stehen Tracks am falschen Ort. Viele Programme lassen dich das Tempo per Klick halbieren oder verdoppeln und einen bevorzugten BPM-Bereich für die Analyse festlegen. Im Zweifel hilft der BPM-Tapper: einfach mitklopfen.
Mehr zu Tempo und Taktschlägen erklärt der Eintrag BPM.
Halftime als Werkzeug im Set
Der Wechsel zwischen normalem Groove und Halftime-Groove funktioniert auch als Dramaturgie. Ein Drum-&-Bass-Set, das für einige Tracks in Halftime-Grooves wechselt, schafft eine Atempause, ohne das Tempo zu verlassen. Danach wirkt der Rückweg in den normalen Groove wie ein Neustart. Ähnlich nutzen DJs in Bass-Music-Sets Tracks um 140 BPM, um zwischen schwerem Halftime-Feel und treibenden, geraden Rhythmen zu pendeln – alles im selben Tempo, ohne den Pitch anzufassen.
Typische Fehler
- Pitch statt Verhältnis: Wer versucht, 87 auf 174 BPM hochzupitchen, landet weit außerhalb jedes sinnvollen Pitch-Bereichs. Das Verhältnis 1:2 braucht keinen Pitch.
- Downbeat verwechselt: Beim Halftime-Mix fällt die Eins des langsamen Tracks auf jede zweite Eins des schnellen. Ein falsch gesetzter Start verschiebt die Phrasen.
- Beatgrid mit halbem Tempo: Ein Grid, das nur jeden zweiten Schlag markiert, lässt Loops und Beat-Jumps doppelt so lang werden wie erwartet.
Häufige Fragen zu Halftime & Double Time
Was bedeutet Halftime in der Musik?
Halftime hat zwei Bedeutungen. Zum einen das halbe Tempo eines Tracks, etwa 87 statt 174 BPM. Zum anderen einen Groove, der sich trotz gleicher BPM halb so schnell anfühlt, weil die Snare nur auf der 3 statt auf 2 und 4 liegt. Dubstep ist ein typisches Beispiel: rund 140 BPM, aber ein Gefühl wie 70.
Kann man Tracks mit 87 und 174 BPM zusammen mixen?
Ja. Weil 174 genau das Doppelte von 87 ist, fällt jeder zweite Schlag des schnellen Tracks auf einen Schlag des langsamen. Die Tracks teilen sich dasselbe Raster und lassen sich ohne Pitch-Änderung beatmatchen. Typisch ist das beim Wechsel von Hip-Hop zu Drum & Bass oder von Dubstep zu Genres um 140 BPM.
Warum zeigt meine DJ-Software das halbe Tempo an?
Die automatische Analyse kann nicht immer sicher unterscheiden, ob ein Track halb oder doppelt so schnell ist, besonders bei Drum & Bass, Dubstep oder Trap. Die meisten Programme erlauben es, das erkannte Tempo per Klick zu halbieren oder zu verdoppeln, und einen bevorzugten BPM-Bereich für die Analyse einzustellen.